Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Zur Geschichte der allegorischen Schriftauslegung
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 338 (sequence 4)
- Language
- German
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'388* M^WMßWWdMMWWHWW^^W^?W Zur Geschichte der allegorischen Schriftauslegung. 'י- Aussage eines Zeugen: A. habe den B. um’s Leben gebracht, figürlich dahin gedeutet werden dürfe, A. habe dem B, jede materielle Unterstützung verweigert, um dadurch dessen Leben zu tristen, oder er habe ihm alle religiöse Unterweisung entzogen, wodurch er des ewigen Lebens hätte theilhaft werden können — ebensowenig dürfen Gesetzesaussprüche der Schrift ihrem einfachen Wortsinn entrückt werden, um sie auf den Boden blosser Symbolik hinüber zu pflanzen — wie wenn man z. B. das biblische Verbot des Schweines allegorisch auf die Hingebung an thi6rische Begierden deuten wollte. Allein neben dem einfachen Wortsinne dürfe jedenfalls auch die allegorische Auslegung ihr Hecht beanspruchen, da das Bibelwort eben eine niedere und eine höhere Auffassung gestatte. Eine Analogie hierfür biete der menschliche Organismus. So seien der Mund, die Zunge und die Zähne zur niedern Verrichtung des Essens bestimmt, haben aber zugleich die viel edlere Bestimmung, Organe der Sprache zu sein7). Wenn daher dem Paradiese mit seinen vier Strömen eine höhere Anspielung untergelegt wird, so werde hierdurch deren wirkliches Vorhandensein doch noch keineswegs in Abrede gestellt. Haben doch auch ähnlicher Weise die altern Rabbinen gesagt: ״Die Stadt Jerusalem sei eine Anspielung auf das himmlische Jerusalem“. Es ist dies übrigens ein Gedanke, der das ganze Mittelalter durchzieht. Der so sehr rationelle Levi ben Gersonz. B. erklärt sich ganz entschieden gegen die willkürlichen Allegorisirungen 8) und dennoch huldigt er stellenweise der weitgehendsten und in'8 grösste Detaille geführten Symbolisirungsmethode. So wird, um hier ein Beispiel anzuführen, der Gan Eden mit seinen zwei Bäumen, so wie die Schlange, die Eva zur Sünde 7) Diese Analogie von den menschlichen Organen zur Vieldeutigkeit der Bibel wird noch von Mendelssohn benützt. In der Einl. zu Koheleth spricht er über die von den Spätem angenommene vierfache Auslegungsweise der Schrift und rechtfertigt dieselbe durch jene Analogie. 8) s. Komment, zu Genes, s. 16b: וראוי שתדע שאץ ראוי שיעשה 3יור בדברי תורה אם לא במקומות אשר ירווייב שיהיו משל, שאנם היה זה השיעור מסור ביד אנשים הנה תסול התורה בכללה .