Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 3)
- Language
- German
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230 Recensiöjaen und Anzeigen. rechtfertigen sich bemüht, dass nämlich ״die Hellenischen Philosophen in ihren bekannten Weltansichten keineswegs, wie bisher allgemein geglaubt worden, bloss eigene Gedanken entwickeln, sondern in ihnen uns zugleich die Gedanken der früheren Weltgeschieht(;, die religiösen Weltanschauungen der Hauptvölker des Alterthums gleichsam in Lichtbildern überliefern", indem die bedeutendsten Systeme dieser Philosophen mit den religiösen Weltansichten der Hauptvölker des Alterthums ״nicht etwa bloss eine Aehnlichkeit oder Verwandtschaft haben, sondern im Pr inzip und Wesen übereinstimmen." Im grossen Allgenminen wird man dies, als in der Identität des menschlichen Geistes begründet, zugeben müssen, sobald man in der Geschichte geistiger Bestrebungen nirgends todte Geschichtlichkeit, sondern stets den organisch ineinandergreifenden Lebensprozess der ganzenMenschheit zu finden und zu erkennen sucht; — aber weiteren Consequenzen geht man gern aus dem Wege , und es werden wohl schwerlich alle Bedenken zu beseitigen sein, welche den entschiedensten Einspruch dagegen einlegen, dass dieser Gedanke stets bis in die letzten Einzelheiten verfolgt und durchgeführt wird, obgleich auch dies in überraschender und überzeugender Weise oft dem Verfasser gelungen ist, wie z. B. ganz besonders in den Untersuchungen über Chinesen und Pythagoräer, über Eleaten und Indier. Jetzt indessen wollen wir uns nur auf die vorliegende Schrift beschränken, welche nachzuweisen unternimmt, dass Anaxagoras und die Israeliten, was den Kern ihrer Weltanschauung betrifft, durchaus übereinstimmen. In dieser Schrift — wie ja auch sonst — hat der Verfasser mit geistvoller Umsicht und ansprechender Klarheit jedes nur irgendwie nutzbare Moment zu verwenden gewusst und es der Fahne seiner Untersuchung zu folgen gezwungen — zuweilen über Gebühr 2). Gleichwohl glauben wir, dem Grundgedanken des Buches, ״dass die a) Vgl. S. 51 ff., S. 55 ff.: Hätten sie aber unternommen u. s. w. (Uebrigens sind nur Belagstellen aus der Bibel und Talmud hierüber anzuerkennen, die Schriftsteller der Alexandrinischen Religionsphilosopliie, ebenso der Verfasser des Buches der Weisheit, stehen ganz und gar auf dem Boden der griechischen Philosophie.) Vergl. Zeller III.,, Abth. 2s S. 97ff., S. 113 ff.