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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1865-01-01 · Heft 6 · p. Seite 229

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
14 (1865)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1865-01-01
Page
Seite 229 (sequence 2)
Language
German
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Recensionen und Anzeigen. ' 229 forschende Denker nur selten von regelmässigen Gedankenstufen hinabgeführt, welche er sich aus besonnenen, ineinandergreifenden Schlussfolgerungen allmälig hergerichtet, sondern er wird zumeist plötzlich hinabgerissen von dem überraschenden, gewaltigen Strudel einer unberechenbaren Ideenassociation; Gedankenreihen ziehen lange im Kopfe umher, gehen und kommen, bis die verwandten auch in der buntesten Gesellschaft der verschiedenartigsten Vorstellungen einander endlich erkennen, neue Verbindungen eingehen und ein neues Resultat erzeugen. Jedoch wenn ein solches Resultat unmittelbar aus dem geheimsten Grunde der Gedankenthätigkeit an das Tageslicht der Rede tritt, so wird es zumeist nur mit Unglauben und Misstrauen aufgenommen, und je mehr diese Entdeckung mit der ganzen Denkrichtung und Geistesart des Entdeckers auf’s Innigste zusammenschliesst, umsoweniger wird sie Anklang, um so seltener wird sie Eingang finden. Daher tritt jetzt an den Denker die eigentliche und schwierigste Aufgabe: er muss von dem allgemeinen Standpunkte der Voraussetzungen aus, die er mit aller Welt theilt, durch alle Schwierigkeiten hindurch eine Strasse brechen, welche Jedermann zugänglich, zu der angekündigten Entdeckung mit Nothwendigkeit hinführt. Erst durch die Möglichkeit eines solchen Gelingens oder Misslingens wird dargethan, ob es das verheissene Land war, das der Denker aus der Ferne gesehen, oder ob nur ein Trugbild, welches das Auge seines Geistes getäuscht; und dann nur wird das Resultat anerkannt, wenn es Jedermann möglich wird, nach zugestandenen Prämissen mit Hülfe einer ununterbrochenen Reihe zuverlässiger Mittelglieder das an gegebene Ziel sicher zu erreichen. Und solche Mittelglieder, welche den Weg zu einer seltsam scheinenden Entdeckung ebenen sollen, zusammenzusuchen und aneinanderzufügen ist die Aufgabe, von welcher der Verfasser vorliegender historischen Untersuchung in seiner wissenschaftlichen Tliätigkeit geführt wird. Es ist in der That eine seltsame, überraschende Entdeckung, zu welcher dem Verfasser durch Studiengang und Geistesrichtung der Weg gewiesen worden1) und welche er jetzt in vollem Umfange zu ') Siehe Einleitung in das Verständnis der Weltgeschichte, die Chinesen und Pythagoräer von Aug. Gladisch 1841, Vorrede.

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