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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1865-01-01 · Heft 5 · p. Seite 190

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
14 (1865)
Issue
Heft 5
Article
Das Buch Jesus Sirach
Date
1865-01-01
Page
Seite 190 (sequence 13)
Language
German
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190 Das B ucli J es us Sir ach. der. Man griff auf’s Gerathewohl Sätze heraus. Waren es echte; also hebräische Verse, auf die man traf, so gab man sie entweder auch hebräisch wieder (weshalb denn auch die meisten der im Talmud hebräisch angeführten Verse sich wirklich in unserem Buche vorfinden), oder man übertrug sie sofort in die Landessprache (daher die wenigen chaldäi sehen Verse, die auch in der griech. Uebersetzung erscheinen). Tritt aber ein chaldäischer Vers unter dem Namen des Ben Sira auf, ohne dass er sich im griechischer! Texte vorfindet, so kann man meistentheils mit Sicherheit annehmen, dass er den den Rabbinen gehörigen Exemplaren entnommen und eine spätere in Babylon entstandene Zuthat sei. Nur dadurch wird die ganze über Ben Sira sich verbreitende Partie in Synhedrin 100b in ein recht helles Licht gesetzt2). Dass aber einige Verse abrupt oder nur inhaltlich wiedergegeben werden, kann theils an den frühem Emendationen liegen, theils von den Rabbinen mit Absicht ge- 2) Auf eben diese Stelle gestützt, können wir uns gegen die Ansicht Zunz’s (G. V. 6.104), die dahin geht, dass das Buch schon früh in’s Aramäische übertragen worden sei und in dieser fremden Form in Babylon bekannt war, eines bescheidenen Zweifels nicht erwehren. Hat wirklich eine vollständige aramäische Uebersetzung in Babylon bestanden, wie kommt es dann, dass in der angeregten Stelle im Talmud der eine und derselbe Rabbine (אביי) hebräische und aramäische Verse aus dem Buche so hart hintereinander citirt, und nicht, wie man es erwarten sollte, lauter aramäische, der aramäischen Uebersetzung entnommene Stellen? Wie kommt es ferner, dass überhaupt, auch von den babylonischen Autoritäten, viel mehr hebräische als chaldäische Citate angeführt werden, und dass, was besonders bemerkenswerth ist, von den hebräischen gerade der grösste Th eil, von den chaldäischen aber nur eine verschwindend kleine Zahl in unserem Buche sich wieüerfindet? Alle diese Auffälligkeiten fallen fort, wenn man als Quelle für jene Citate ein altes hebräisches mit hebräischen und chaldäischen Zusätzen bereichertes Exemplar annimmt. Man begreift dann, warum in der oft erwähnten Stelle in Sanhedrin der vonAbaje citirte hebräische Vers Wort für Wort im griech. Texte wieder erscheint, während der gleich darauf von demselben Rabbinen angeführte chaldäische sich schon von selbst als unechter cliarakterisirt und im griech. Texte sich auch nirgends findet.

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