Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Buch Jesus Sirach
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 6)
- Language
- German
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.*ly■?! '!±,y L,j^wv.^tg Das Buch Jesus Sirach. WMMWWM 183 müssen, dass sie es keinesweges mit grosser Zartheit und Scrupulosität behandelten. Ein Buch, das nicht heilig, nicht canonisch, sondern nur gleichsam zur Privatlectüre bestimmt, ein Buch, das fast durchweg von profanem Charakter und so populärem Inhalte (Sprüche sind ja die Weisheit des Volkes) ist, ein Buch endlich, das seinem Wesen und seiner Beschaffenheit nach kein abgerundetes Ganze bildet, und ausserdem noch (wie es bei unserem Buche, das mehr als eine Spruch Sammlung gelten will, der Fall ist) ein Comglomerat von Eigenem und Fremdem ist und deshalb durch Zusätze nicht allzusehr alterirt wird: ein solches Buch, hatte wohl schon damals bei den Ab- Schreibern nicht auf allzugrossse Schonung zu rechnen. Verfuhr man ja nicht besser mit den LXX., die doch ihres heiligen Inhaltes wegen mehr Anspruch auf Schonung und Unverletzlichkeit hatten. Erzählt doch Hieronymus 5): Maxime quum apud Latinos tot sint exemplaria quot Codices et unusquisque pro arbitrio suo vel addiderit vel subtraxerit, quod ei visum est. Freilieh geschah dies viel später und man darf auch nicht behaupten, dass sogleich die ersten Copisten mit unserem Buche so unglimpflich verfuhren. Aber hie und da einige Zusätze werden sie sich wohl auch schon erlaubt haben. Das Buch war wohl zunächst nur unter den dem Verfasser am nächsten Stehenden, dann aber auch in weiteren Kreisen bekannt und verbreitet worden. Nun kam des Verfassers Nachkomme und nahm das Buch nach Egypten mit. Hatte er ein Autograph des Verfassers mitgenommen? Die Frage ist merkwürdiger Weise nicht aufgeworfen worden. Sie ist aber überaus wichtig. Nach allein jedoch, was vorliegt, muss man diese Frage verneinen. Wie hereits oben bemerkt, ist gerade das Schweigen des Hebersetzers darüber ein beredter Zeuge, spricht der Umstand, dass der E11kel so einfach sagt, er übersetze das Buch, das sein Vorfahr verfasst hatte, deutlich dafür, dass das Buch, als der Hebersetzer nach Egypten ging, sich schon einer ziemlich grossen Bekanntschaft erfreute, so dass es nicht schwer war, zu irgend einem Exemplare zu gelangen, weshalb er es auch nicht nöthig 5) Praefatio ad libr. Josuae. Vgl. Frankel, Vorstudien zu 66ptuaginta S. 63 f. 15*