Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Geschichte der Juden in Posen
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829318-2829324-2861254--09164-2861273- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
170 Geschichte der Juden in Posen. dessen seinen ruhigen Fortgang; die Gemeinde entsandte in der Person des Hirsch b. Abraham Breslauer, Schwiegersohns des genannten R. Wolf Rofe, einen Deputirten nach Warschau zum Könige von Polen; derselbe durfte es jedoch nicht wagen, nach Posen zurückzukehren, und nahm seinen Aufenthaltsort in Berlin. In Posen selbst wurden zahlreiche Zeugenverhöre aufgenommen; viele christliche Zeugen erklärten, mit eigenen Augen gesehen zu haben, dass die Juden am Passahfeste sich des Blutes bedienen, wogegen andere christliche Bürger, und zwar solche, die mehrere Jahre lang im Judenviertel gewohnt hatten, die Blutbeschuldigung vor den Gerichten als eitle und böswillige Erfindung hinstellten. Nach langen Verhandlungen gelangte die Angelegenheit vor das Warschauer Tribunal, die Geistlichkeit bedrohte jedoch jeden Juristen, der als Anwalt der Juden in Warschau auftreten sollte, mit dem Banne. Einer auswärtigen Gemeinde — angeblich der Wiener — soll es schliesslich gelungen sein, einen bedeutenden Rechtsgelehrten für die bedrängte Posener Gemeinde zu bestellen, durch dessen Bemühungen auf Lossprechung der Gern einde unter der Bedingung erkannt wurde, dass die sieben im Gefängnisse zurückgehaltenen Juden einen feierlichen Eid auf ihre Unschuld leisten und einige Edelleute sich diesem Eide anschliessen sollten. Nachdem diesen Bedingungen entsprochen war, wurden die Gefangenen (Mitte Ab 1740) aus der Haft entlassen. Ein übel berüchtigtes und schon mehrfach bestraftes das Marterhemd des Darseh an als Reliquie befindet. Arje Löb’s Grabschrift, bei der wohl mit Rücksicht auf den noch schwebenden Prozess die Selbetcensur geübt wurde, lautet in lakonischer Kürze: פ״נ הרב ה״ה הקדוש מה״ור אריה ליב דרשן ב״הרב ה״ה מ' יוסף דרשן חנצ״בה. יום ה' ח״י כסלו תצ״ז לפ״ק. In dem von Landsliuth Amude ha-aboda, Beilage S. X -XI. mitgetheilten אמ״ר wird auch der beiden Posener Märtyrer des J. 1736 gedacht und ist demnach der in der Ueberschrift genannten Jahreszahl תט״ן noch תצ״ו hinzuzufügen.