Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Geschichte der Juden in der Schweiz
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829318-2829321-2861030--08986-2861065- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Geschichte der Juden in der Schvvreii. y David genoss in der Folge als Arzt ein grosses Zutrauen. War er auch bedeutender als irgend einer seiner 1 christlichen Collegen, so wurde er, weil Jude, von den Behörden doch erst dann herbeigerufen, wenn die anderen j keinen Rath mehr wussten. Als 1546 die bösen Blattern ' in Schaff hausen grassirten, erging an ihn vom Rath die Anfrage, ob er sich der Erkrankten annehmen wolle. . 1551 forderte man ihn auf, an einem Kranken im Saalhaus seine Kunst zu versuchen, und 1558 wurde er beauftragt, zu untersuchen, ob gewisse Personen mit den Blattern behaftet seien oder nicht. Dem braven David, der ״die armen Kranken arztnet und ihnen nünt abnimmt" wurden von dem Rathe der Stadt in ״Anerkennung seiner Dienste" zehn Eimer Wein verehrt, eine Aus- Zeichnung, die dem seines Glaubens wegen oft zurüekgesetzten und verkannten Manne eine doppelte Freude bereiten musste. So sehr sich auch David bemühte seinen guten Ramen durch Redlichkeit zu bewahren, so begegnete ihm nicht selten Missgeschick in Folge Misstrauens und des Vorurtheils. Schon 1545 wurde er böswilliger Weise angeklagt, einen Mord begangen zu haben; zu allem Glücke stellte sich die ganze Anklage als Verleumdung heraus; schlimmer erging es ihm 15 Jahr später. Im Einverständnis mit seiner Ehegattin Freuda hatte David, nachdem die eigenen Kinder erzogen und versorgt waren, ein zartes Knäblein, wahrscheinlich eine elternlose jüdische Waise, zu sich genommen, wodurch dessen Haushalt, zu dem zunächst ein Sohn Namens Samuel, eine yerheirathete Dienstmagd und ein Dienstbube gehörten, auf sechs Personen anwuchs. Jeder durchreisende Jude fand bei David die freundlichste Aufnahme. Unbegreiflicher Weise wurde eine solche Beherbergung von dem sechsjährigen Pflegekind zu einer Anklage benützt, die den edlen David in das tiefste Unglück hätte stürzen können. Donnerstags, den 5. September 1560 Abends trat eine fremde Jüdin mit einem kleinen Kinde in David’s Haus und bat um Nachtherberge, die ihr gewährt wurde. Sie war die Ehefrau eines unweit Brugg im Aargau häuslich