Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Geschichte der Juden in der Schweiz
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 9)
- Language
- German
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Geschichte der Juden: in der Schweiz. 49 Je höher das Guthaben der Juden bei Bürgern und Einwohnern der Stadt Schaffhausen stieg, desto grösser wurde auch ihr Hass gegen sie* 2). Aller Art Verdächtigungen und Beschuldigungen wurden gegen sie ausgestreut, und im Jahre 1401 brach die längst verhaltene Wüth der Schaffhausener Bürger gegen die Juden los. Dies Mal musste die Mordsgeschichte von Diessenhofen als Grund der Verfolgung und Meuterei dienen. Als die Kunde von dem erdichteten Kindesmord in Diessenhofen3) nach Schaffhausen gelangte, begaben sich Lemli, Michel, Samuel und Jekli auf die Flucht; sie flohen über den Rhein und hielten sich in dem der Stadt gegenüber liegenden Dorfe Feuerthalen in einer Scheune versteckt; in der Nacht setzten sie sodann die Flucht fort, wurden aber auf dem Wege nach Stein ergriffen und zurück nach Schaffhausen transportirt. Hier wurde nun zunächst der Jude Hirz, in dessen Aufträge der Unglückliehe Veiteimann (Vinelmann) in Diessenhofen den Mord begangen haben sollte, und mit ihm alle andern Juden gefangen genommen und auf die grausamste Art gefoltert. Kanibalisch verfuhr man mit Lemli, Hirz4) und Matthias. Es wurden ihnen Schnitte in die Waden gemacht und in die Wunden heisses Pech gegossen, dann auch die Fusssohlen angebrannt, ״dass man wohl das blosse Bein hätte gesehen." Unter solchen Qualen bejahten sie alle an ihn gestellten Fragen, und über alle in Schaffhausen ansässigen Juden wurde das Todesurtheil gesprochen. Als man sie;zum Scheiterhaufen führte, er: hoben sie ein herzzerreissendes Gejammer und betheu- . 2) Da denn die Piaffen und der Pöbel, sagt der wackere Ulrich, a. a. 0. 2^9, die durch das gleiche Interesse angefeuert worden, ihre Schulden durch Flammen zu tilgen, alles angewendet, die reichen Juden, ihre Schuldgläubiger, durch den Henker martern und endlich gar verbrennen zu lassen. 3) M. vgl. ,,die Juden in Thurgau“, Monatsschrift, XII, 406. 4) Nicht Hirsch wie bei Zunz, Synagogal-Poesie, 47.