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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1864-01-01 · Heft 11 · p. Seite 433

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
13 (1864)
Issue
Heft 11
Article
Die Neugestaltung des Rabbinenwesens und deren Einfluss auf die talmudische Wissenschaft im Mittelalter
Date
1864-01-01
Page
Seite 433 (sequence 13)
Language
German
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433 Harmonie, beiden Factoren eine gleichm'ässigejBerechtigung zuerkennend. Daher ist fiir die talmudische Epoche, überhaupt aber, so lange die Gesetzesforschung auf der durch den Talmud vorgezeichneten Bahn sich erhielt, eine Erörterung darüber, ob das Wesen des Gesetzeslehrers in der ״Sachkenntnisse oder in der ״Fähigkeit scharfsinniger Deduction“ beruhe, vollends undenkbar. In einer solchen Erörterung, wie sie in den mitgetheilten Auszügen vorliegt, zeigt sich der Talmudismus bereits in seine Bestandtheile zersetzt. Wir haben aber gesehen, dass dieser Zersetzungsprocess in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhundert8, veranlasst durch die mannigfachen Leiden, vor sich gegangen war. Wie nun in dieser Zeit zugleich mit dem Aufhören jeder selbstständigen Forschung die wissenschaftliche Bildüng einseitig zu werden anfing, und sich beinahe allein in der Form des בקיאות״" ausprägte; so konnte auch jetzt erst das vornehmlich auf den Scharfsinn gestellte Gesetzesstudium, der ,,פלפול“ nämlich, den Charakter des Gegensatzes und die Form und Bedeutung einer bestimmten wissenschaftlichen Richtung annehmen0). Man wird von diesem Gesichtspunkte aus nicht in Abrede stellen können, dass durch die mitgetheilten Auszüge das Vorhandensein einer solchen wissenschaftlichen Richtung in dem besprochenen Zeitabschnitte bestätigt wird. Man wird aber zugleich zugeben, dass diese Richtung nicht von selber entstanden sein könne; sie muss, weil sie für jene Zeit die wohlthätigste Wirkung auf die Gesetzesforschung ausübte, das Quellenstudium auffrischte und geistige Selbstständigkeit erzeugte, geschaffen, und zwar eben im Hinblick auf die vorliegenden Wirkungen geschaffen worden sein. Wen könnte man nun wohl eher als den Schöpfer dieser wissenschaftlichen Richtung bezeichnen, im Mittelalter. *) Daher kommt es denn auch, dass Isr. Brünn behauptet: עיקר הרבנות תלוי בפלפול, während in der von Kolon angezogenen Stelle (Horaj. 14a) der Talmud mit der Decision abscliliesst: סיני עדיף. Es hatten sich eben die Verhältnisse geändert, und der Begriff des Rabbiners war, zumal für deutsche Rabbiner, ein anderer geworden.

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