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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1864-01-01 · Heft 11 · p. Seite 432

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
13 (1864)
Issue
Heft 11
Article
Die Neugestaltung des Rabbinenwesens und deren Einfluss auf die talmudische Wissenschaft im Mittelalter
Date
1864-01-01
Page
Seite 432 (sequence 12)
Language
German
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432 Die Neugestaltung cies Rabbinenwesehs für verschiedenartige, oder selbst entgegengesetzte wissenschaftliche Richtungen. Der ״Pilpul“ insbesondere ist nicht mehr blos eine Form oder Methode des U nterrichts, sondern er tritt auf als Selbstzweck, als Gegenstand des Studiums. Ein Blick auf den Studiengang der alten Zeit, wie er im Talmud erkennbar ist, wird dies verdeutlichen. Im Talmud nämlich findet sich diese Form des Gegensatzes gar nicht. Wohl erscheinen hier die adjectivisehen Bezeichnungen — als Charakteristiken der Gesetzeslehrer סיני,, —׳"/ der Belesene, im Gegensätze zu עוקל הרי□״" und ,,7'הליל/ der Scharfsinnige, oder in derselben Bedeutung ,,בעל שמועות" und י(*"בעל פלפול״ aber von einem בקיאות״"** ***)) und einem פלפול״", als Bezeichnungen für entgegengesetzte Wis s ensf orm en, ist im Talmud nirgends die Rede. Und das ist auch natürlich. Denn der Talmudismus, einerseits auf dem festen Boden des Hergebrachten, der Tradition , beruhend, andererseits eine selbstständige Fortent- Wickelung des Gegebenen zulassend, oder gar erheischend, forderte auf Grund dieser Eigentümlichkeit die Thätigkeit ebensowohl des Gedächtnisses, wie des Scharfsinnes, zugleich aber auch ein gewisses Gleichgewicht unter diesen Factoren, das denn auch, so lange das Gesetz im Flusse war, überhaupt aber, so lange ein richtiges Tactgefühl den Studiengang vorzeichnete und beherrschte, aufrecht erhalten wurde. Daher kann dann wohl im Talmud eine Charakteristik oder Ab- Schätzung der Autoren, je nachdem in ihnen, was ja immer möglich, der eine oder andere Factor überwog, vermerkt sein000)5 aber die Wissenschaft selbst erscheint hier immer in innerer *) Horaj. 14 a und Kolon das. ") Das Wort בקיאות״" kommt meines Wissens im Talmud gar nicht vor. ***) So finden sich, ausser den erwähnten Bezeichnungen, Ch&rakteristiken der Gesetzeslehrer, lag ihre vorzugsweise Begabung im gutem Gedächtniss, in den Ausdrücken: פילו ספיקא לגברי גרים^ und — mit tadelnder Beziehung auf die kritiklose Aufnahme der Traditionen — לבייל מכולא עלמא. Vorzugsweise scharfsinnige Lehrer dagegen empfangen den Beisatz: יכול לטהר את השלץ u. a. m. Aber alle diese Ausdrücke sind, wie man sieht, nur adjectivische Bezeichnungen.

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