Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Neugestaltung des Rabbinenwesens und deren Einfluss auf die talmudische Wissenschaft im Mittelalter
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 427 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829304-2829316-2860913--08823-2860947- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
im Mittelalter. über diesen Gegenstand: ״Statt der emsigen Stadien, des tiefen Eindringens, der reifen Arbeiten der alten tosafistischen Zeit ward ein oberflächliches, unfruchtbares Naschen, ein witziges Spielen mit den Materien, der sogenannte Pilpul, auf den Schulen von Regensburg and Nürnberg beliebt0)64. Aber man wird doch zugestehn müssen, dass ein blosses ״Belieben44 unmöglich als ein zureichender Erklärungsgrund für eine Erscheinung von solcher Tragweite und Bedeutung, wie sie die pilpulistische Behandlung des Talmud’s unzweifelhaft besessen, angesehen werden kann! Ueberdies wissen wir, wie sich weiter ergeben wird, dass es eine Zeit gegeben hat, wo der ,,Pilpul“ — und zwar ganz in dem Zuschnitt, wenn auch nicht mit den Verkehrtheiten der neueren Zeit — von den besonnensten, wahrhaft wissenschaftlichen Rabbinern durchaus nicht für ein ״Spielen44 und ״Naschen44, sondern für das Kriterium gründlicher talmudischer Bildung gehalten wurde. Ehe wir jedoch unsererseits die Entstehungsgeschichte des ״Pilpul44 weiter zu entwickeln versuchen, muss noch einer einschlägigen Nachricht gedacht werden, die, ob ihr gleich jede historische Autorität ab gesprochen werden muss, dennoch neuerdings zur Grundlage für eine Besprechung dieses Gegenstandes genommen worden ist00). Nach David Gans und Asulai 000) soll nämlich R. Jakob Pollak (b. Jizchak halewi), ein Rabbiner zu Prag, gestorben angeblich um 1520־[-), den ״Pilpul44 ״e rf und en44 haben. Aberdas Unhistorische dieser Notiz leuchtet auf den ersten Blick ein. Denn abgesehen von der Unsicherheit, mit welcher der er st er 6 der genannten Autoren seine Nachricht wiedergibt־-]־[-), lässt sich *) Zur Gesell. S. 190. **)'Bei Jost, Geseh. des Judenth. S. 240. — Herr Dr. Grätz hat sich über die Entstehung des ״Pilpul“ im achten Bande der Gesell, d. Juden nicht ausgesprochen. ***) s. v. רבי יעקב פאי^ק. f) Nach Dav. Gans, nicht 1530, wie bei Jost a. a. 0. angegeben ist. — ff) Das. ואומרים שהוא 44.4 המציא י פי^פוי^ החבוקים וכף. Ebenso Asulai, das., der, wie Leder haddorot, 8. v., dem ersteren nachgeschrieben. 32*