Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Geschichte der Juden in Posen
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 418 (sequence 9)
- Language
- German
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Gr'escliichte. der Juden in; Posen einem Schweine sitzende Jüdin naturgetreu zu zeichnen, ן durch seinen Gehülfen ein vorübergehendes Judenmädchen aufgreifen, die ihm als Modell stehen musste, traktirte die in der Nähe befindlichen Juden mit Schlägen und Steinwürfen und dergl. Müssige Volkshaufen sammelten sich um das Rathhaus und verfolgten die Juden in ihr Viertel, wo sie allerlei Ausschreitungen begingen, zahlreiche Personen verwundeten, in die ״alte Schule" einbrachen, die Synagogengeräthe raubten oder zertrümmerten und alle Fensterscheiben in der Judenstrasse einwarfen. Der Magistrat liess die Unruhestörer gewähren und vertröstete die klagenden Aeltesten mit leeren Redensarten. Der Rabbiner verfügte sich zum Wojwoden, der ihm bereitwillig seine Soldaten zur Verfügung stellte, durch welche denn auch die durch die Jesuiten verstärkten Volkshaufen zu Paaren getrieben wurden. Der Magistrat wusste in seiner Replik auf die Beschwerdeschrift der Aeltesten den Vorfall zu seinen Gunsten auszulegen und die ganze Schuld auf die Juden zu wälzen, so dass ihnen wie in vielen anderen Fällen keinerlei Genugtuung zu Th eil wurde29). Trotz der unausgesetzten Leiden lebten aber noch immer über 2300 Juden in Posen. Da das enge Judendenviertel für die Beherbergung einer so bedeutenden Menschenmenge nicht ausreichte, so bezog ein Theil nach und nach einzelne den Adeligen angehörende Häuser in den Vorstädten. Der Magistrat remonstrirte natürlich gegen diese Umgehung der Verträge und gewann den Prozess. Die Judenschaft appellirte und Sigismund III. entsandte seinen Sekretär Samuel Targowski nach Posen, um die Angelegenheit zu ordnen. Zugleich erliess er ein Schreiben an den Magistrat (Warschau, 22. August 1619), in welchem er denselben bat, sich nicht auf den strengen Rechtsstandpunkt zu stellen, sondern den Juden mit Rücksicht auf ihre stets wachsende Seelenzahl, so wie zurVer- 29) Luk. I, 86—91.