Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Geschichte der Juden in Posen
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 364 (sequence 4)
- Language
- German
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364 Geschichte der Jaden in Posen. liehen Abgaben und begnügt sich mit 10 Pfd. Safran und Cassia und 100 Gulden, die alljährlich am St. Barthol־ mäustage zu entrichten sind 3). 1593 gestattete Sigismund III. in einem aus Danzig datirten Privilegium den Posen er Juden, sich ohne Einschränkung mit dem Schneiderhandwerke zu beschäftigen. Auf die Remonstration der Schneidergilde wurde durch ein Erkenntniss des Assessorengerichtes zu Warschau das Privilegium dahin interpretirt, dass den Juden die Ver- Fertigung von Kleidern ausschliesslich für ihre Glaubensgenossen gestattet sei. Diese Entscheidung wurde auf Befehl Sigismund III von dem Posener Wojwoden Hieronymus Gostomski aufs Strengste durchgeführt4). Die Bedeutung Posens als jüdische Gemeinde im XV. und XVI. Jahrhunderte ist theils durch die in der vorangehenden Darstellung gelieferten Nachweise und theils durch andere Merkzeichen erhärtet. Die immer bedeutende Seelenzahl der Juden in Posen musste einer Entwickelung des Gemeindelebens günstig sein. Unter den aus Deutschland und Böhmen nach Posen eingewanderten Juden befand sich sicherlich ein Stamm gelehrter Talmudisten, denn, wie bereits nachgewiesen wurde, schon Israel Bruna erwähnt der ״Posener Talmudgelehrten“, und Moses Menz findet in Posen ein Gemeindeleben, das sich ihm eigenthümliche, besondere religiöse Formen geschaffen hatte. Der ,,Posener Ritus“ (Minhag Posen), der sich bis auf den heutigen Tag in hiesiger Gemeinde erhalten hat, scheint also schon im fünfzehnten Jahrhundert nor- 3) Luk. 1 100 ff.!Dass die Juden Nichts verabsäumten, um die Posener Wojwoden günstig für sich zu stimmen, ist natürlich, und es setzt in Erstaunen, dass ein so tüchtiger Gelehrter wie Lukaszewicz, der übrigens im Allgemeinen sehr schlechte Begriffe vom •Judenthume hat, an diesen Umstand ungehörige Bemerkungen knüpft. Lukaszewicz will ein auf die Ankunft des Wojwoden Anton Jablonowski mit Goldbuchstaben auf weissem Atlas gedrucktes Begrüssungsgedicht der Posener Judenschaft gesehen haben (I, 102). «) Luk, 1, 333.