Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Geschichte der Juden in Posen
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 363 (sequence 3)
- Language
- German
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Geschichte der Juden in Posen. - 363 laus Gorkä, Bruder des genannten Lukas, ihnen erneute Privilegien auszufertigen. Stanislaus, der, wie alle Mitgliedernder Familie Gorka, die im Geheimen sich dem Protestantismus zuneigte, den Juden freundlich gesinnt war, zögerte nicht mit der Erfüllung ihrer Bitte und gab ihnen ein von Schwersenz am Johannistage 1590 datirtes und in dem hiesigen Grodarchive vorhandenes Statut folgenden Inhaltes: Der Wojwode und Unterwojwode wird die den Juden von den Königen ertheilten Privilegien gewissenhaft schützen und beobachten; den Juden steht es frei, ihre Aeltesten ohne Dazwisehenkunft und Beeinflussung der Wojwoden, und einenOberrabbiner zu wählen, der unabhängig vom Wojwoden rechtliche Entscheidungen zu treffen berechtigt ist. Bloss über Schläge und Wunden soll die Gerichtsbarbeit des Wojwoden angerufen werden. Die Juden dürfen an keinem anderen Orte als in der Synagoge und zwar von einem aus jüdischen und christlichen Richtern zusammengesetzten Tribunal gerichtet werden. In zweifelhaften Fällen entscheidet der Wojwode. Die Citation erfolgt durch den Gerichtsboten. Der Vorladung nach einem Orte ausserhalb Posens brauchen sie nicht Folge zu leisten. In wichtigen Dingen steht ihnen die Appellation an den Wojwoden oder den König frei. Die eines Verbrechens überführten Juden werden an keinem anderen Orte als in dem Keller unter der Synagoge eingekerkert, und der Wojwode gewährt ihnen auf ihre Kosten die zur Bewachung der Eingekerkerten nöthige Mannschaft. Die jüdische Angelegenheiten betreffenden Bücher und Akten werden in der Synagoge unter Schloss und Riegel verwahrt. Die Posener Juden werden von der Bezahlung des St. Johannis-Marktgeldes befreit. Desgleichen verzichtet der gegenwärtige Wojwode auf die von den Juden den früheren Wojwoden geleisteten jährdie zweite: ^ציון הורידי כנח. Wie aus der zweiten hervorgeht, scheinen nicht, wie Gans angibt, 80, sondern 70 Thorarollen verbrannt zu sein; In beiden wird der Name der Stadt Posen in ז נאה& aufgelöst. 28*