Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Geschichte der Juden in Posen
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 284 (sequence 4)
- Language
- German
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284 Geschichte der Juden in Posen. müdgelehrten von einem Manne wie Israel Brana das Recht der Entscheidung eingeräumt wird und die sich für das religiöse Leben schon festausgeprägte Normen geschaffen hat, kann nicht von ganz jungem Datum sein und muss schon eine gemeindliche Entwickelung durchgemacht haben. Und in der That weisen anderweitige geschiehtliehe Nachrichten auf eine frühere Zeit hin. Joseph Lukaszewicz, in seinem aus archivalischen Studien hervorgegangenenvortrefflichenBuche, betitelt: ״Historischstatistisches Bild der Stadt Posen in früheren Jahrhunderten * * * * * 6)“ bemerkt, dass Przemyslaw I. und Boleslaw in dem Privilegium, mit welchem sie 1253 dem Th eile der Stadt Posen, welcher auf dem linken Ufer der Warthe liegt, das Magdeburger Recht verliehen, der Juden keine Erwähnung thun, was auf eine Abwesenheit der letzteren schliessen lässt (I, 72). Nach den in der hiesigen Gemeinde verbreiteten Traditionen soll die erste Synagoge Posens , die gegenüber der Dominikanerkirche ungefähr auf dem Platze, auf dem sich jetzt der Tempel ider Brüdergemeinde befindet, stand, im Jahre 1367 er- -baut worden sein7). Lukaszewicz glaubt, dass das be¬ °) Obraz historyczno-statystyczny miasta Poznania w dawniejszych czasach. Prez Jözefa Lukaszewicza. Pozn. 1838, Iltom. Es befindet sieb auf der hiesigen Rathsbibliothek eine handschriftliche deutsche LTebersetzung dieses lehrreichen Werkes, die mir durch die Güte des Herrn Stadtrath Dr. Samter zugänglich gemacht wurde. Mit der Veröffentlichung eines deutschen Auszuges unter dem Titel: ״Historischstatistisches Bild der Stadt Posen in früheren Zeiten.“ Bearbeitet nach dem polnischen Werke des J. v. Lukaszewicz, wurde 1846 (Li88a und Gnesen. Ernst Günther) begonnen. Es sind jedoch meines Wissens nicht mehr als 4 Druckbogen erschienen. 7) Luk. I, 72. Zu welcher Zeit die gegenwärtig älteste Synagoge der hiesigen Gemeinde, die in der jetzigen Judenfrüher Tuchmacher- Strasse gelegene ״alte Schule“, erbaut worden ist, lässt sich nicht ermittein. Da dieselbe mehrere Renovationen und Anbauten durch gemacht hat, so lässt sich auch aus dem Baustyle kein Schluss ziehen. Jedenfalls wurde sie nicht vor der ersten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts erbaut; denn an der Hinterwand derselben befand sich