Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Historischer Überblick über die mannigfachen Codificationen des Halachastoffes, von ihren ersten Anfängen bis zu ihrem letzten Abschlusse
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 6)
- Language
- German
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■206 Die״ Codificatiok des Halachastoffes. rere Jahrhunderte-■zählenden Zeitraumes, und gibt gerade in der ungeordneten Nebeneinanderstelluhg des verschiedenartigsten Stoffes die klarste;׳■■Anschauung־ von dem Zustände des Volkes. Neben lauter Freude tiefes Seelenleiden, neben tiefem Seelenfrieden aufzuckendes Ähgstgeschrei, neben hohen, wahrhaft philosophischen Ideen dunkle Anschauungen; aber stets überschwebt von dem frischen Hauche geistigen Lebens, geistiger Regsamkeit, die keine Freude übertönen, kein noch so schweres Leid ersticken kann, die sich heraus windet aus den Ketten der Mystik zum hellsten, klarsten Bewusstsein. Der Talmud ist kein Codex, noch will er sich als solchen geben; er umfasst das religiöse, geschichtliche und volksthümliche Bild einer vierhundertjährigen Zeit. An die religiösen Normen und Meinungen in ihm knüpft sich von nun an die Fortentwickelung der Tradition. Aber gerade \ weil der Talmud nicht die Tendenz hatte, ein Codex zu sein, musste sich nach dem Abschlüsse desselben das Bedürfniss nach einem Codex herausstellen, der die Norm, herausgeschält aus der Discussion und den sie verhüllenden, fremdartigen Elementen, für die Praxis fixire. Dieses Bedürfniss tritt nun zunächst hervor in den sehr zahlreichen, religiösen Anfragen an die die Lehrstühle der Emoraim in Sura und Pumbedita einnehmenden Geonim. Dieses Bedürfniss ist aber während der geonäischen Epoche nicht vollständig befriedigt worden und wurde, je entfernter von der Zeit des Abschlusses des Talmud, um so fühlbarer. Der Gaonsitz in Sura und Pumbedita erfreuete sich in der ganzen Diaspora eines so hohen Ansehens, und die Inhaber desselben waren in der That zum grössten Theil mit dem ganzen talmudischen Halächastoffe so vertraut, dass man auf ihre Entscheidungen gern hörte. Als aber mit dem Erlöschen des Gaonats — 11. Jahrh. — das Talmudstudium seinen Mittelpunkt verlor, trat das Bedürfniss hach einem Codex immer dringender hervor, zumal da Fragen und Fälle auftauchten, für die sich im Talmud keine directe Entscheidung vorfand. Es erscheinen nun Compendien über einen bald grösseren, bald geringeren Theil des Hälachastoffes. Die verschiedenen Schulen haben ihr Con-