Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Historischer Überblick über die mannigfachen Codificationen des Halachastoffes, von ihren ersten Anfängen bis zu ihrem letzten Abschlusse
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Godmcatiön des Halachastoffes; Irfindungen und Entdeckungen, bezeichnet in der ie des jüdischen Volkes nach der zweiten TemfSrstörung der Wechsel der Lehrweise, die v er seineene Richtung der Geister in der Erfassung und Verar- Leitung des Traditionsstoffes. Und wie alle geschieh tlichen Erscheinungen die naturgemässen Stadien des Aufblühens, des Höhepunktes der Reife und des allmäligen Verfalles durchlaufen, so sind dieselben auch in der Entwickelungsgeschic-hte der jüdischen Traditionslehre erkennbar. Wenn nämlich das Aufblühen einer bestimmten Geistesrichtung durch ein unbewusstem, aber desto lebendigeres und frischeres Schaffen des in ihr lebenden Genius sich kennzeichnet, ihr Höhepunkt dagegen in bewussten, reifen und vollendeten Leistungen zu Tage tritt, so ist es ein Zeichen des beginnenden Verfalles,-wenn die Productivität immer mehr vor der Reproduktion des in jenen beiden früheren Stadien Geschaffenen zurücktritt, bis endlich der Abschluss der Epoche bezeichnet wird durch Sammelwerke, welche die Resultate derselben zusammenzustellen sich bestreben. Während der Blüthezeit der tanai'tischen Geistesrichtung lebten die Geister im unmittelbarsten Verkehr mit einander und kannten, unmittelbar an die heilige Schrift anknüpfend und aus ihr die Normen für das Leben schaffend, nicht das Bedürfniss nach einem Leitfaden. Als das Gesetzesstudium dieser Epoche in R. Elieser, R. Josua, R. Äkiba und deren Zeitgenossen seinen Höhepunkt erreichte, trat die Kunst an das unbewusste Schaffen der Väter heran." Man erfand Regeln und mnemonische Zeieben zur leichteren Ueberlieferung an die kommenden Geschlechter. R. Akiba wird auch als der Erste genannt, der den Traditionsstoff geordnet und in ein System gebracht2). Und was der Meister begonnen, das setzte sich fort in seinen Jüngern, indem R. Meir die Mischna, R. Nehemia die Tosifta, R. Jeliuda Sifra und R. Simeon Sifri nachdem Vorbilde des Lehrers zum Theil fixirten3). 2) Vgl. hierüber ausführlich Frankel a. a. 0. S. 115 u. 210. '*) Synhedrin 86.