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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1864-01-01 · Heft 5 · p. Seite 197

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
13 (1864)
Issue
Heft 5
Article
Zur Geschichte jüdischer Ärzte in Österreich
Date
1864-01-01
Page
Seite 197 (sequence 4)
Language
German
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"י Analekten. am allerwenigsten Hoffnung darbot und überdies dieselbe zunächst nur in der Heimat Geltung hat, da ausserhalb derselben andere Gesetze Geltung haben — war und ist das Studium der Medicin ein kosmopolitisches, so zu sagen, das überall, mutätis mutandis, Anwendung findet. Aus diesem practischen Grunde mögen wohl seit Jahrhunderten sich viele Juden der Medicin zugewendet haben. Wie natürlich haben manche christliche Aerzte ihre jüdisehen Collegen nicht mit freundlichem Auge betrachtet. Am 20. Juli 1784 kam der Decan der medicin Ischen Facultät, Prof, der Chemie, Gottfried Mikan, in eine Apotheke daselbst, und fand ein Recept von dem Medicinae-Dr. Jonas Jeiteles0) für einen katholischen Geistlichen, Namens Morgenstern, vor. Darob gerieth der Herr Decan in grossen Zorn. Es verdross ihn, dass ein Christ sich von einem Juden behandeln lasse, und überdies noch ein Geistlicher. Eigenhändig confiscirte der Decan das Recept. Jeiteles beklagte sich in Folge dessen beim Kaiser. Die Hofkanzlei schlägt hierauf vor: ,,dem Professor und der me dicinischen Facultät ist zu bedeuten, dass künftighin nicht nur allein diesem Jeiteles, sondern auch jedem anderen Juden, der auf einer erbländischen Universität geprüft und approbirt worden ist, die freie Praxis uneingeschränkt zu gestatten sei." Kaiser Joseph billigte dieses, fügte aber noch Folgendes hinzu: ״Jedoch muss dem Prof. Mikan, wenn das Factum wahr befunden wird, solches von dem Gubernio scharf verhoben werden. Joseph." Einfacher löste sich eine andere Frage. Samuel Oppenheimer, ein Nachkomme des bekannten Hoffactors gleichen Namens, hatte den Doctorgrad in Utrecht erhalten, wohnte dann längere Zeit in Ungarn, liess sich hierauf in Pesth vom Decan prüfen, welcher ihm ein gutes Zeugniss ausstellte, und wollte hernach sich als practischer Arzt in Wien niederlassen. Die Wiener medicinische Facultät rieth davon ab, dem Ritt- *) Jonas Jeiteles hat sich bekanntlich als medicinischer Schrift־ steiler einen Namen erworben. Er promovirte an der Universität zu Jena.

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