Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Über die Begriffe von Substanz und Accidens in der Philosophie des jüdischen Mittelalter
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 5)
- Language
- German
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188 Ueber die Begriffe von Substanz und Äccidens lieb auf zufällige Bestimmungen zurückgeführt werden musste;־ derart, dass Leben, Menschheit, Empfindung und Denken ins•? gesammt blos als Accidenzen erklärt wurden und zwischen den Individuen verschiedener Gattungen kein anderer Unterschied angenommen ward, als der zwischen den Individuen einer und derselben Gattung. Ebenso war es ein höchst wichtiger kelamistischer Lehrsatz, dass ein Äccidens keine zwei Zeittheilchen oder Zeitatome, fortdauern könne4). — Und es rührte dieser Lehrsatz von der ganz eigentümlichen Naturanschauung dieser Schulen her, da sie durchaus kein Causalitätsgesetz anerkennen wollten, keine ״Natur" oder vielmehr kein Naturgesetz annah men, sondern jeden Vorgang und jegliche Veränderung, jeden Puls- und Pendelschlag der Natur eine unmittelbar von Gott ausgehende Wirkung nannten. Das Atom ward ihnen daher zum Punkt, an dem Gott ohne Auf hör so viele zufällige Qualitäten schafft, als er nach seinem durchaus freien Willen für gut findet. — Und nach jener von einigen Mutakallimun behaupteten Theorie, nach weleher auch die Seele nur als ein Äccidens erklärt wird, müsste auch diese in stetem Flusse begriffen sein, so dass der Mensch, wie nach Plato immer einen neuen Körper5), so nach dieser kelamistischen Theorie jeden Augenblick eine neue Seele von Gott erhält. Der vielbelesene Leopold D ukes, dessen zahlreiche, in den jüdischen Zeitschriften zerstreute Notizen für den Ausbau der jüdischen Literaturgeschichte ein sehr schätzbares Material liefern, citirt6) nach Ihn Esra und Moses Botarel aus der mystisehen Schrift Schiur Koma eine Stelle, in welcher Gott nicht nur Schöpfer der Körper, sondern auch als ״Schöpfer der Accidenzen" genannt wird7). Der metaphysische Sinn dieses Satzes, sagt Herr Dukes, sei nicht zu erkennen, er klinge wie ein Sophism. Indess Scharastani8) belehre uns, dass Ihn Ab ad al-Sulami behauptete: 4) Daselbst Prämisse 6. 5) Phaedon, cap. 37, § 83: aTXa yaq av (pedvr!, §KaGtrjv tcdv TtoXka Gcoiiaxa nccxcczQtßsiv ... V 5) Ben Chananja 1864, Nr. 1. T) ד בורא כל גוף וכל נכבד מכל גוף וכל נמה מהגוף והוא המקרה. ») Th. 1, p. 67. f י