Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Liepmann Cohen und seine Söhne, Kammeragenten zu Hannover
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 15)
- Language
- German
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Kamiiierageiiteri zu Hannover. der für die Armen in Palestina gesammelten und bei den Gebrüdern Behrens auf bewahrten Gelder. Sie wurde im Jahre 1724 klagbar; ob ihr aber die Klage etwas genützt hat, steht dahin. Mit der Abreise der Gebrüder Behrens aus Hannover waren jedoch die gerichtlichen Verhandlungen, welche in Folge ihres Concurses eingeleitet worden waren, keines״ weges zu Ende; sie waren vielmehr noch nach hundert Jahren nicht einmal gänzlich abgewickelt, und zog sich, zumal bei dem früheren langsamen Gerichtsverfahren, die Schlichtung dieser Angelegenheit insbesondere deshalb so sehr in die Länge, weil einerseits die zur Concursmasse gehörenden Ausstände zum Theil erst nach mehreren Decennien, als die Schuldner schon längst gestorben waren, eingingen und andererseits die zahlreichen Gläubiger, welche aus der vorhandenen Masse nicht befriedigt werden konnten, nur nach der Priorität ihrer An- Sprüche Berücksichtigung fanden, so dass von vielen derselben erst die Kinder oder gar die Enkel erhielten, was ihre Eltern oder Grosseltern zu fordern hatten. Die erwähnten gerichtlichen Verhandlungen gewähren aber auch vielfaches historisches Interesse, weshalb hier Einzelnes daraus .mitgetheilt werden mag. In diesen Process warden nämlich auch mehrere auswärtige Juden verwickelt, gegen welche, weil sie mit den Gebrüdern Behrens in Geschäftsverbindungen gestanden hatten, der Concurseurator Ansprüche erhob. Zu diesen gehörte insbesondere Isaacs Vetter und Schwiegervater zu Halberstadt, der königlich sächsische Resident Berend Lehmann, bekannter unter dem Namen Bärmann Halberstadt, und dessen drei Söhne, von denen der älteste Lehmann Berend, der von dem Könige August dem Starken als Hoffactor nach Dresden berufen ward und dort der Stammvater der Familie Lehmann wurde, der zweite Gumpertz und der dritte Kosmann hiess. Die Gebrüder Behrens hatten nämlich dem Residenten Lehmann mehrmals und zuletzt noch im Jahre 1721 verschiedene sehr werthvolle Gegenstände und Obligationen cedirt, worauf der Curator der Concursmasse behauptete, dass dies in fraudulenter Weise geschehen