Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Liepmann Cohen und seine Söhne, Kammeragenten zu Hannover
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 11)
- Language
- German
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Kammeragenten zu. Hannover./‘ vor: seinem Hause, als er daselbst in Gemeinschaft mit seinem Kassirer einige Geldbeutel sortirte, einen solchen, in welchem tausend Thaler wären, draussen an der Thür stehen lassen. Ein junger Musketier, Namens Heinrich, welcher kurz darauf jene Strasse herunterging, fand den Beutel und war ehrlich genug, ihn seinem Eigenthümer wieder zuzustellen. Er pochte an die Thür und händigte den Beutel dem Kassirer ein, der ihn auf den folgenden Morgen in das Comptoir vor seinen Herrn beschied. Als der Soldat am anderen Tage zu Liepmann kam, machte ihm dieser ein ansehnliches Geschenk, kaufte ihn von dem Regimente los, nahm ihn als seinen Kutscher an und gewährte ihm für seine ganze Lebenszeit einen ausreichenden Unterhalt. Von jener Zeit an wurde der ehemalige Soldat insgemein der Juden-Heinrich genannt6). Auch von einem seltenen Gemeinsinne hat Liepmann vielfache Proben, gegeben und noch jetzt liefert mehr als ein Denkmal den Beweis von dem, was er zu Gunsten der hiesigen israelitischen Gemeinde gewirkt und wodurch er seinem Namen in deren Mitte für ewige Zeiten eine dankbare Erinnerung gesichert hat. Nachdem die seit der Vertreibung der Juden durch Herzog Heinrich Julius hier im Jahre 1609 erbauete erste Synagoge vier Jahre darauf auf fürstlichen Befehl von dem Grossvogte zu Calenberg wiederum nieder gerissen worden war, besassen die hiesigen Juden längere Zeit hindurch keinen Ort, in welchem sie gemeinsam Gottesdienst halten konnten, und erst im Jahre 1688 wurde es ihnen möglich, im Hause des damaligen Vorstehers Levin Goldschmidt wiederum eine kleine Synagoge zu errichten. Sei es nun, dass diese Sy nagoge für sämmtliche hiesige Juden später nicht mehr Raum genug hatte, oder dass andere Gründe die Veranlassung dazu gaben, Liepmann beschloss im V er eine mit seinem Sohne Naphtali Herz im Jahre 1703,.. an der Stelle, wo die 1613 niedergerissene gestanden hatte, eine neue Synagoge zu erbauen, gab die nicht unbeträchtlichen Bäukosten dazu her und überwies sie, als sie irn Jahre dar- 6) Nach den handschriftlichen historischen Collectaneen des ehemaligen Kämmers ehr eib er 3 Redecker im hiesigen städtischen Archive.