Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Liepmann Cohen und seine Söhne, Kammeragenten zu Hannover
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 10)
- Language
- German
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170 י ׳ Liepmanri’Cohen und'seine Söhne Bibliothek seines Schwiegersohnes, des bekannten Oberrabbiners David Oppenheimer zu Prag, welcher fortwährend beflissen war, seine Büchersammlung zu vermehren, aus Censurrücksichten und anderen Gründen aber Bedenken trug, seine literarischen Schätze in der böhmischen Metropole aufzubewahren, hier in Hannover aufstellen Hess und es dadurch dem bekannten Hamburger Pastor Wolf möglich machte, das Material für sein, trotz der vielfachen Berichtigungen, die es insbesondere durch Zunz und Steinschneider erfahren, immer noch sehr schätzbares Werk Bibliotheca Hebraea zu sammeln. Nach dem Tode David Oppenheimers im Jahre 1736 ging seine Bibliothek in die Hände seines in Hannover lebenden Sohnes, des kaiserlichen Agenten und früheren Rabbiners von Hellischau, Joseph, über, bei dessen am 21. Juli 1739 erfolgten Tode sie auf einen Werth von 150,000 Rtlrn. geschätzt wurde; später kam sie in den Besitz eines gewissen Isaac ben Seligmann in Hamburg, der mit der Familie Oppenheim er verwandt war, und noch später wurde sie bekanntlieh von den Engländern angekauft und macht nunmehr eine Zierde der Bibliothek zu Oxford aus. Von diesem Schatze, den Hannover so viele Jahre in seinen Mauern barg, hatten die vornehmsten Geistlichen und Weltlichen der Stadt keine Ahnung; sie kannten nur das Cohen- Oppenheimer’sche Comptoir, nicht aber die unschätzbare Bibliothek. Liepmann besass einen wahrhaft biederen Charakter, und namentlich war sein Wohlthätigkeitssinn weit und breit bekannt. Seinen Reichthum verwendete er dazu, Arme zu unterstützen, Nackte zu kleiden und Hungrige zu speisen; niemals verliess ein Nothleidender sein Haus, ohne bei ihm Unterstützung gefunden zu haben, und in dem Vorworte zu dem bereits erwähnten Werke Beth Jehuda wird er als der freigebige Vorsteher und der Greis voller Erbarmen gefeiert. Auch kannte er bei seinem Wohlthun niemals einen Unterschied des Glaubens, er half, wo er helfen konnte, und belohnte, wie folgende Thatsache zeigt, Ehrlichkeit und Treue in wahrhaft fürstlicher Weise. Im Jahre 1695 hatte er einst des Abends