Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Rabbi Simon ben Gamaliel II., nach seinen Lebensverhältnissen und seiner geistigen Wirksamkeit
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 10)
- Language
- German
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130 . Rabbi Simon ben Gamaliel II. schärfsten Gegensätze zu R. Mexr befand1); merkwürdiger Weise hatte sogar die Schule R. Mei'r’s2) diese Seite ihres Meisters ganz ausser Acht gelassen, war nur auf seine dialektischen Bestrebungen eingegangen. Es muss also diese halachische Strömung zu Rabbi Jehuda Hanasi übergeleitet worden sein von einem Manne, der einerseits die Lehren R. Me'ir’s empfangen und in ihnen diese systematischen Keime gefunden hatte, andererseits aber Selbstständigkeit genug besass, dass er diese systematischen Keime in eine ihnen passende Richtung hinüberführte, sie nicht wiederum von dem Strudel der Dialektik fortreissen liess. Als solcher bietet sich allein R. Simon dar. R. Simon hatte durch seinen Umgang mit R. Me'ir seine halachischen Kenntnisse vielfach bereichert, war aber auch durch seine ganze Geistesanlage befähigt, systematische Punkte^ welche er von jenem gewonnen, zu erweitern, wie er ja in der That die Systematik damals der Traditionswissenschaft wieder zuführte. Diese Wahrscheinlichkeit, dass Simon auch in der Mischnaredaction die Stellung eines Mittlers3) zwischen R. Me'ir und Rabbi Jehuda einnimmt, gewinnt gar sehr an Glauben durch das Zeugniss des kurzen, aber bedeutungsvollen Satzes, welcher im Talmud von R. Jochanan häufig wiederholt wird: כל מקום ששנה ר״ש״ב״ג במשנתנו הלכה כמותו הוץ מערב וצידן וראייה אחרונה. Aus welcher Ursache wird den Aussprüchen Simons in der Mischna mit geringer Ausnahme so viel Autorität *) Kidusch. 49 b. 2) Erub. 13b. Hier sagt auch Rabbi: Hätte icli R. Me'ir gehört, wäre ich ein grösserer Dialektiker geworden 5 also nicht Systematik, Dialektik war von R, Meir zu lernen. 3) Hehmen wir an, dass R. Meir in seiner amtlichen Stellung als Chaekam veranlasst, diese DDD-Halachot zusammengesetzt habe (was gar nicht unwahrscheinlich ist), so mussten diese wiederum durch Sr mon seinem Sohne zugekommen sein, da das Amt R. Meir’s nach seinem Ausscheiden aus dem Synhedrion wahrscheinlich auf R. Simon überging. Also schon durch seine Stellung als Hasi hatte R. Simon gewiss auf die Mischnaredaction eingewirkt, wie das auch aus אסקוהו בשם אחרים אומרים hervorgeht.