Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Rabbi Simon ben Gamaliel II., nach seinen Lebensverhältnissen und seiner geistigen Wirksamkeit
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 9)
- Language
- German
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•Rabbi Siraoir *ben ö,a^1rialiel 129 ׳ überseheii werden konnte, war die Zeit gekommen, das Werk ab zuschliessen, un d di es wurde von, Rabbi Jehuda Hanasi in so origineller und tiefer Weise ausgeflihrt, dass auf ihn. allein der. Ruhm des ganzen Unternehmens geschüttet wurde, Die strengste logische Gliederung, ,Präcision und Reinheit des Ausdrucks, Berücksichtigung aller wesentlichen Momente, die ausgebildetste Systematik, ohne dass dabei die Dialektik ganz leer ausgeht: Alles dies wird von Rabbi Jehuda Hanasi so geschickt ineinander gewebt, dass dieses Mischnagebäude von der Zeit an mit vollem Rechte als der Mittelpunkt der jüdischen gelehrten Welt angesehen wurde. Doch was zwingt denn durchaus, Simon einen so bedeutenden Einfluss auf den Entwickelungsgang derMischna einzuräumen? Schon die einfache Berücksichtigung der historischen Verhältnisse. Nach dem ausdrücklichen Zeugnisse des Talmuds hat Rabbi Jehuda Hanasi •in seiner Mischnasammlung mittelbar oder unmittelbar an R. Meir angeknüpft. Wie ist nun diese Errungenschaft R. Meir.’s für Rabbi Jehuda zugänglich geworden? Er war nie ir- . gend eines Unterrichts von R. Meir theilhaftig geworden, geschweige eines solchen, welcher sein ganzes wissenschaftliches Leben bestimmend auf ihn hätte wirken kön- 1ien8). Seine Lehrer waren R. Jakob, R. Jehuda b. Ilai’9), welcher letztere gerade in dem Punkte, welchen Rabbi Jehuda von R. Meir aufgenommen hatte, sich in dem 8) Es kann dies auch nicht, nach Analogie unserer heutigen Verhältnisse, durch Schriften R. Meir’s etwa geschehen sein, da einerseits von Schriften R. Meir’s nirgends etwas verlautet, andererseits der eigentliche Geist des Lehrers in damaliger Zeit nur aus seinem mlindliehen Unterrichte zu verstehen war. Wenn ferner der Geist des Lehrers erst in seiner Schule sich immer scharf auszuprägen^pflegt, so ist es wohl durch die Schule R. Meir’s ganz klar, wie wenig wirkliche Systematik durch R. Meir gewonnen war. Es ist deshalb der^Weg von den ganz dürren Halachot R. Meir’s zu der systematischen Volleindimg der Mischna so weit, dass nothwendiger Weise zwischen R. Meir und R. Jehuda -Hanasi ein Mittelglied eingeschoben werden muss, und dieses Mittelglied kann eben nur R. Simon sein. - 0) Hocleg. S. 197, Anm. 9.