Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Rabbi Simon ben Gamaliel II., nach seinen Lebensverhältnissen und seiner geistigen Wirksamkeit
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
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126 Rabbi Simoh ben Güniäliel IE auf; er stemmt sich nicht nur gegen die Uebergriffe dialektischer Ausschreitungen, er zeigt nicht nur die Richtung, welche die Halacha einzuschlagen hat, sondern er betritt selbst diesen Weg, um ihn anzubauen —- er liefert die Vorarbeiten zu einer wirklichen Mischnaredaction, wie sie später fast vollendet aus der Hand seines Sohnes Rabbi Jehuda Hanasi kam. Es scheint diese Behauptung allerdings sehr gewagt, da keine uns überlieferte Nachricht ausdrücklich für sie zeugt, und wird um so bedenklicher, wenn wir daran denken, dass uns nicht einmal der Grad des Akiba’schen und Meir’schen Einflusses auf den Abschluss der Mischna recht klar ist. Es sprechen aber für unsere Annahme einzelne, ln'8 Gewicht fallende Momente, die immerhin einer Erörterung würdig sind. Wir wollen hierzu ein wenig weiter ausholen und die Entstehung der Mischna kurz besprechen. Der Traditionsstoff wurde in den alten Schulen von jedem Lehrer nach seiner Weise den Schülern übergeben und es war dem Scharfsinn eines jeden Lehrers überlassen, denselben zusammenhängend und nach einem beliebigen Px’incipe gruppirend vorzutragen. Es fixirten sich jedoch schon ganz früh einzelne Halachot zu bestimmten Sentenzen9); doch waren selbst solcher halachischen Sentenzen nur wenige. Erst R. Akiba1) erkannte die Nothwendigkeit, in das halachische Material, das sich durch neue und complicirte Fälle immer mehr angehäuft hatte, Einheit zu bringen. Er musste um so mehr bedacht sein, hier Aushülfe zu schaffen, da gerade die Kühnheit seiner dialektischen Lehrart nur dann Sicherheit versprach und sich vor Irrwegen bewahren konnte, wenn sie von so מאמתי קורץ אח שמע בערבית, משעה שהכהנים נכנסין לאכול ף בתרומתן. Es muss diese Fassung der Halaclia sehr alt sein, da das בר, ני ס נכנסין לאכול בתרומתן als etwas bekanntes vorausgesetzt wird, worüber sich ja auch der Talmud wundert; ferner Berach. V, 1 אפילו המלך שואל בשלומו לא ישיבנו ואפילו נחש כרוך על עקבו לא יפסוק; es scheint dies eine chassidäisclie Mischna; der Talmud gleicht hier das Auffallende dadurch au;s, dass er die Rede von einem jüdischen Könige und von einer ungefährlichen Schlange sein lässt. *) Heber dies wie über das Folgende 8. Hodeget. 209 ff.