Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Rabbi Simon ben Gamaliel II., nach seinen Verhältnissen und seiner geistigen Wirksamkeit
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829304-2829308-2860279--08301-2860320- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ßäbli^ Simön •ben Männer sieh: des Vertrauens der Gemeinde tersichert iiäP ten, erklärten sie Chanairjä den wahren Zweck ihrer Sen«׳ düng und verlangten eine Zurücknahme seiner 866tim- .mim gen.״ Als er dies nicht berücksichtigte, machten die Palästinenser beim öffentlichen Gottesdienste die Gemeinde selbst durch ironische Ansprachen auf das ungesetzliche Gebahren Ghananja’s aufmerksam. Dieser stellte die Autoritäfc des Patriarchen in Frage; die Judäer erwiederten: ״Die Du unmündig verlassen, sind jetzt reife Männer geworden." Da verlangte die Gemeinde, dass sich Chananja fügen solle; derselbe wollte sich jedoch noch immer nicht beruhigen und zog den gelehrten R. Juda ben Bethyra aus Nisibio zu Rathe. Als auch dieser den Pal ästin ehsern beistimmte und Chananja nirgends Theilnahme und Beistand fand, gab er endlich nach, schickte an die zunächst gelegenen Gemeinden Boten und zog die von ihm ausgegangenen Bestimmungen in Betreff der Feiertage zurück. So war durch das geschickte und energische Einschreiten Simons einem Schisma innerhalb des Judenthüms vorgebeugt, die Einheit des Festcultus wieder gesichert und die Autorität des Patriarchen nach aussen hin zu allgemeiner Geltung und Anerkennung gebracht; die letztere sollte jetzt auch im innen! des Synedrions selbst erstarken und zu ihrer alten Bevorzugung kommen. Wie wir nun an diesem Vorgänge ersichtlich gesehen haben, ruhte bei der Haltlosigkeit der jüdischen Zustände das Heil und Wohl der Synagoge ausschliesslich in einem nach aussen wie nach innen kräftigen Patriarchat; die Person des Patriarchen war der einzige Centralisationspunkt, der den Juden, nachdem sie Alles verloren hatten, allein geblieben war, und dass dieser die höchste Machtfülle stets an sich ziehen musste, wurde von der Zeitlage und den Verhältnissen unabweisbar gefordert und war nicht aus dem Belieben eines persönlichen Ehrgeizes entsprungen, welchen das Synedrion nachdrücklichst zurückgewiesen hätte. Hierin ist der Grund zu suchen, dass wir die Patriarchen auch in den geringfügigsten Dingen immer für. ihre Würde mit der grössten Aengstlichkeit einstehen sehen, und diese nothwendige Forderung der Zeit und