Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Rabbi Simon ben Gamaliel II., nach seinen Verhältnissen und seiner geistigen Wirksamkeit
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
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Rabbi Simon ben Gamaliel II. starb Hadrian 138, und unter seinem Nachfolger Antohinüs Pius schien eine mildere Sonne am Himmel Judäa’s aufzugeheii. Die Blutdecrete wurden zwar nicht geradezu aufgehoben, waren aber allmälig in Vergessenheit geratheh. Von allen Seiten strömten die Jünger, welche der Verfolgung entgangen waren, in ihr Heimatsland zurück, an ihrer Spitze die hervorragendsten Schüler Akiba’s, welche R. Juda ben Baba mit Aufopferung seines Lebens während der Schreckenszeit ordinirt hatte. Diese beriefen Alle, welchen die Erhaltung der Lehre am Herzen lag, Lehrer sowohl wie Lernende nach Uscha, um die gegenwärtigen Verhältnisse zu berathen7). Hier wurde wahrscheinlich der Beschluss gefasst, den Synedrialkörper in seiner früheren Gestalt wieder herzustellen, und überhaupt ganz und gar an die Thätigkeit des früheren Synedrion, welches unter Rabban Gamaliel und R. Elieser ben Asarja so segensreich gewirkt hatte, wieder anzuknüpfen. Man ging daher (mit Ausnahme des R. Meir, der, wie es scheint, in Uscha zurückblieb) nach Jamnia und das Synedrion constituirte sich daselbst. Das Patriarchat dieses Synedrions wurde an* Rabbi Simon ben Gamaliel II. übertragen, zu welcher Würde dieser durch seine Abstammung aus dem in Israel hochberühmten Hillel'schen Hause berechtigt war. Seitdem nämlich Hillel, der grosse Ahnherr dieses Geschlechts, das geistige Leben der jüdischen Nation, welches durch Parteiwuth und Bürgerkriege in’s Stocken gerathen war, ein zweiter Esra wieder geweckt und dadurch den tiefsten Einfluss auf das Judenthum geübt hatte, ruhte die geistige Führerschaft Israels in der Hand dieser Fa״ milie, deren Mitglieder durch ihre ganz besonderen Fähigkeiten zu dieser hohen Mission berufen schienen. Sie waren stets ausgezeichnet durch thatkräftige Energie, durch tiefen sittlichen Ernst und ganz besonders durch ׳ eine glänzende geistige Begabung, wie eine solche durch so lange Zeit in derselben Familie nur höchst selten sich ■zu erhalten pflegt. Auch in R. Simon treten uns diese!״ r) Vgl. Hodegetik S. 154 179.