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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1864-01-01 · Heft 3 · p. Seite 83

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
13 (1864)
Issue
Heft 3
Article
Rabbi Simon ben Gamaliel II., nach seinen Verhältnissen und seiner geistigen Wirksamkeit
Date
1864-01-01
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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Rabbi Simon ben Gamaliel II. 83 Die dialektische Methode, in der schärfsten 1 Conseqtienä־ durchgeführt, müsste schliesslich zu sophistischen AnstbW Wüchsen führen; die systematische Richtung, ebenfalls eim -.AZ seitig festgehalten, würde ihren Stoff verflachen, würde ,,,A ihre Lebensfähigkeit verlieren. Nur dadurch, dass so zu sagen, beide Parteien gehört wurden, dass die Halacha gleichmässig nach beiden Seiten hin oscillirte, hat sich eine wirkliche, lebenskräftige Wissenschaft der Tradition :1 heranszubilden vermocht. Hatte die dialektische Lehr־־■ ״; weise sich des TraditionsStoffes bemächtigt und hatte sie denselben, fortgerissen von der Genialität ihrer Methode, •:;;Vg bis auf den Grund aufgeregt und fast in ein stürmisches , "M seitig aus, sondern die eine tiberwiegfc die andere immer ganzerheblieh, und bestimmt hierdurch jeder Zeit und jeder Schule ganz deut:-. lieh und scharf ihren Charakter, als einen dialektischen oder systematischen. Diese Auffassung tritt noch deutlicher ii.1 dem Verlauf der Halacha nach der Zeit der Geonim hervor. Hier bietet sich1 gleich Alfasi als der Träger der systematischen Methode dar, welche in R. Mose ben Maimon ihren Höhepunkt erreicht. Den-letzteren trifft daher von dialektischer Seite der Vorwurf, dass er die Dialektik und ihr Organ, den Talmud, untergrabe. Eine andere Weise der syste: matischen Richtung wird von R. Salomo Jizchak ausgebildet, welche jedoch schon alle Keime zur Dialektik in sich trägt. Diese werden in der Tosaffstenschnle zu hoher Bliithe glanzvoll entwickelt*, der grösste Meister der Tosafisten ist R. Jakob Tarn. Als einen solchen‘ dürfen wir wohl auch R. Salomo ben Adereth bezeichnen, wegen sei-, ner seltenen Gedankenfrische und Klarheit, zwei Eigenschaften, die ihn nie verlassen, wenn er die Faden der Dialektik noch so fein und confplicirt ineinander schiessen lässt; R. Salomo ben Adereth gehört nicht mehr den Tosafisten an, bildet vielmehr schon den Uebergangf zur Systemasischen Schule, welche sich durch Ascheri einleitet, in seinem Sohne R. Jakob fortsetzt und endlich ihre höchste . Ausbildung, von R. Joseph Karo erhält. An ihn lehnt sich R. Mose■ Isserls, der aber wieder die Dialektik einleitet; dieselbe wird .in der ,polnischen Schule in übertriebener Weise durchgeführt, bis die deutschen Rabbin60 in die Schranken treten. Diese sehen fast ganz von den! Pilpul ab und es macht sich bei ihnen eine mehr historische Systematik geltend, welche gegenwärtig noch der Tagesgeschichte angehört. — Wir. sehen auch an den liier vorgefiihrten Geschichtsphasen, .dass beide , Gegensätze einander jedes Mal durchdringen und sich gewiss er massen gegenseitig sättigen, so dass beide Richtungen zu jeder Zeit ihre Physioguomien gar sehr ändern. 7*

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