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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1864-01-01 · Heft 2 · p. Seite 69

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
13 (1864)
Issue
Heft 2
Article
Die Neugestaltung des Rabbinerwesens und deren Einfluss auf die talm. Wissenschaft im Mittelalter
Date
1864-01-01
Page
Seite 69 (sequence 2)
Language
German
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J im Mittelalter. 69 Wandlung selbst bezeichnen. Sowohl die Stellung der Rabbiner zu den Gemeinden, wie die wissenschaftliche und religiöse Autorität der Rabbiner erscheint seit ungefähr der Mitte «des 14. Jahrhunderts in einem wesentlich anderen Lichte als in früherer Zeit, Jene wurde aus dem freiwilligen Verhältnisse verdrängt und in die beengenden Formen eines besoldeten Amtes eingeschnürt. Diese beruhete nicht mehr blos, wie es dem Geiste der jüdischen Lehre gemäss war, in der Subjectivität des Rahbiners, sondern bedurfte, um sich Geltung zu verschaffen, fremder Bestätigung und urkundlicher Bekräftigung 1). An die Stelle persönlicher Bedeutung trat nicht selten das Ansehen des Amtes, die subjective Autorität ging in der Aeusserlichkeit des Titels zu Grunde. Man braucht nicht auf die Zeit der Mischna und des Talmuds zurückzugreifen, sondern vergegenwärtige sich nur die Stellung und Bedeutung der späteren Gesetzeslehrer, und man wird sich dem Eindrücke nicht verschliessen können, dass vom 14. Jahrhundert ab eine Art scholastischer Unselbstständigkeit und Aeusserlichkeit die Vertreter jüdischer Wissenschaft ergriffen hatte. Man trug eine übertriebene Demuth vor der Vergangenheit zur Schau, deren Kehrseite wiederum sich den Zeitgenossen als aufgeblasener Hochmuth zeigte, man wog eifersüchtig die neugeschaffenen wissenschaftlichen Würden gegen einander ab und suchte durch verächtliche Rangstreitigkeiten oft das Ansehen zu retten, das die eigene Schwäche nicht aufrecht zu erhalten vermochte. Daneben häufige Zänkereien zwischen den Rabbinern und den Gemeindegliedern, da jene eine unberechtigte Amtsgewalt sich anrnassten, oder die berechtigte missbrauchten, während diese nicht selten Hohn statt Nachgiebigkeit zeigten: und so sank die Autorität der Rabbiner durch dieselben Mittel, wodurch man sich anstrengte, sie zu heben. Es leuchtet ein, dass dieses im Aeusserlichen verlaufende Streben allmälig auch die Pflege der Wissenschaft in. nachtheiliger Weise berühren musste. So tritt in dieser Zeit ein trockener. Scholasticismus, der an den Schöpfungen der'Vergangenheit zehrt, an die Stelle ursprünglichen, selbstständigen Schaffens. Das frische Leben des Talmudstu di ums erstarb in der überschwänglichen Verehrung und unfruchtbaren Catalogisirung l) Vgl. meine Darstellung in dieser Monatsschrift 1862, S. 166 ff.

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