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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1864-01-01 · Heft 2 · p. Seite 70

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
13 (1864)
Issue
Heft 2
Article
Die Neugestaltung des Rabbinerwesens und deren Einfluss auf die talm. Wissenschaft im Mittelalter
Date
1864-01-01
Page
Seite 70 (sequence 3)
Language
German
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70 ' Die Neugestaltung des׳■^ Eabb1i1erw:ese1LS im Mittelalter. ׳ ’ der Minhagim. Während früh.erhin, ־wie unter der Leitung eines wissenschaftlichen Tactgefühles, der Stadiengang sich von selbst bestimmte, ward jetzt die Frage besprochen, ob umfangreiche Sachkenntniss oder die Fähigkeit scharfsinniger Deduction vor-- zugsweise zu erstreben sei und zur Lehre befähige. Aber es ist nur die eigene Verlegenheit, die sich hinter gelehrte Untervsuchungen versteckt. Die frühere Verbreitung der Gesetzeskenntniss schrumpfte bis zum Monopole Einzelner zusammen, das Verhältnis8 zwischen Lehrer und Schüler hatte sich gelokkert und war nicht selten ein gespanntes, die Ausübung religioser Functionen, früher ein Recht der Befähigten, ward Vorrecht der Beamteten. Das sind ungefähr die Merkmale, welche jenen Zustand der Gährung bezeichnen, aus welcher sich nachmals die Verhältnisse des Rabbinerwesens, wie sie die neuere Zeit kennt, abklärten. Darum ist dieser Zustand, obgleich er sich als ein Bild trübseliger Zerrissenheit darstellt, doch als ein wohlthätiger Uebergangsprocess anzusehen, der dem Judenthum •— wenigstens in Deutschland und Frankreich — über den ,.schlimmeren Zustand der Apathie und geistigen Windstille, wie er jener Uebergangszeit voraufgeht, hinweghalf. Auf diesen Zeitabschnitt, als auf die eigentliche geschichtliche Ursache der ־Neugestaltung' des Rabbinerwesens näher ein zu gehen, behalten wir uns für den weiteren Verfolg unserer Darstellung vor. Wir schicken ihr das Lebensbild eines Mannes voraus, der als einer :der hauptsächlichsten Regeneratoren des Rabbinerwesens zu betrachten ist, und der umsomehr Beachtung verdient, als über , •seine geschichtliche Bedeutung wie über seine Lebensumstände bis jetzt kaum mehr als eine gelegentliche Notiz geschrieben worden ist. Dieser Mann ist der Rabbiner zu Wien, R, Meir ׳ halewi, an dessen Lebensbild wir die Darstellung eines Zeitgenossen, des sogenannten Oberrabbiners R. Israhel.in Nürnberg, knüpfen werden, über den ebenfalls, obgleich er in neuester Zeit vielfach Gegenstand der Besprechung gewesen, bis jetzt nichts Gewisses festgestellt worden ist. Beide aber sind, ׳als der Mitte des 14. Jahrhunderts angehörend, geeignet, über die ersten Anfänge der neueren Entwickelung des Rabbinerwe-;sens Licht zu verbreiten. (Fortsetzung folgt.)

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