Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Geschichte der Juden in der Schweiz
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 447 (sequence 7)
- Language
- German
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in vier Schweiz. 447 sich der Nalionalrath Bürli, der Rechtsanwalt Heberstich, der Lamlainman Welti, und ganz besonders der Regiermigsrnth Keller aus. Letzterer,׳ ein um die Aufhebung der Klöster und die Blüthe der Volksschulen sehr verdienter Marin ר setzte in einer fast zweistündigen Rede auseinander, dass die Judenfrage für den Aargau nicht mehr eine Frage der Humanität, sondern eine Frage der Ehre gegenüber der Civilisation, den Miteidgenossen und den Staaten überhaupt sei, und beleuchtete mit Würde und bitterer Ironie eine von den Judenfeinden dem Grossen Ruthe übergebene Denkschrift. Wir wollen aus dieser trefflichen und gesinnungstüchtigen Rede nur eine Stelle herausheben. ״Das Gesuch sagt: ,.״Die Juden beten nicht mit uns."" Aber, in. II., wir beten mit ihnen. Wir singen und beten in Kirche, Schule und Ilaus ihre herrlichen Psalmen. Die katholische Geistlichkeit ist täglich zu Gebeten und Andachten verpflichtet, mit denen jeder Israelite alle Morgen den Herrn seinen Gott an ruft. Und die Klagelieder ihrer Propheten gehören mit zu den Herrlichkeiteu unseres Cultus. Allein die Anklage ist auch sonst nicht wahr, sondern die Juden beten mit uns, und zwar beten sie mit uns z. B. am hohen eidgenössischen Bettage in der erhebendsten Weise gerade für das Glück und die Wohlfahrt des ihnen missgönnten Vaterlandes, während so viele christliche Prediger, namentlich von der Partei der Ankläger, jenen festlichen Anlass benutzen, um das Vaterland und seine Institutionen zu beleidigen.... Weiter sagt das Gesuch: ״״Die Juden können durch kein einziges sittlich-edles Band unserer Gesellschaft angehörcn."" Wie! der Israeliten eheliche Treue, ihre sorgfältige und gewissenhafte Kindererzielning, ihre Sorge lur die Armen, ihre gewissenhafte Gottesverehrung, ihre menschenbrüderliche Liebe gegen die Christen in Noth und Unglück, wie sie das jüngst noch beim Brande von Glarus bewiesen sind das keine sittlich-edle Bande, welche die Israeliten würdig machen, unserer Gesellschaft au zugehören? — Wo und seit wann haben denn die Christen eine so neue und absonderliche Moral, dass alle jene Tu-