Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 11
- Article
- [Rezension] / H.
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 436 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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436 Reccnsionen und Anzeigen. Verfassers zur poetischen Naturauftassung, zeugen. Aber eben durch dieses Gedicht, in welchem der Dichter den ״klagenden Gesang, der da tönt so schmerzlich süss, so wonnig hang," als Schutzwafie Israels gegen die mittelalterlichen Bedrückungen bezeichnet, eben durch dieses Gedicht finden wir uns in einer Ansicht bestärkt, die wir gegen den Verfasser geltend machen wollen. Unser Dichter zeigt nämlich in seinem Büchlein eine gewisse Vorliebe, auch den jetzigen Juden, als wenn wir noch so recht tief kn Mittelalter steckten, in seinem Elend, seiner Gedrücktheit und Isolirtheit oft in sehr grellen Farben darzustellen. Hiergegen ist Folgendes zu bemerken: Im Mittelalter, in jener trüben Schmerzensnacht, da mussten wohl die verletzten llcrzcnssaitcn gar schmerzliche Klagetöne ausstossen, sie entwanden sich gewaltsam der gepressten Brust, zogen aber auch in alle dazumal gleich besaiteten und gleich tief verwundeten Herzen ein, um sich dort mit verwandten Tönen zu vcrschmclzen und so im Zusammenstiinmcn Trost und Linderung zu gewähren. Damit war etwas Grosses und Gutes für den Juden bewirkt. Jetzt ist aber, Gott sei Dank, jenes mittelalterliche Dunkel um ein sehr Bedeutendes gewichen, jene Klagetöne, auf die jetzige Zeit bezogen, werden keinen rechten Widerhall finden. Wenn inan also jetzt ״will in der Brust erregen Liebe zu dem Judenthum, dass man fühle seinen Segen und vermehre seinen Ruhm," so muss inan mehr die Segnungen des Judenthums, seine Siege gerade über die mittelalterlichen Bedrückungen, hervorkehren. Ein Gedicht aber, wie ״Der Jude und sein .Leben" (S. 36), wo der Jude als das unglücklichste Geschöpf auf Erden dargcstellt und ״dem klagenden Vöglein in schrecklieber Nacht, dem nimmer (!) das Licht des Tages erwacht, dessen Keiner in Liebe je gedacht," ferner sein Leben der ״grausigen Wüst’, wo nirgends (!) die Quelle des Trostes ihm iliesst, und nirgends (!) die Blume der Hoffnung ihm spriesst," verglichen wirdmuss einem heutigen Leser als afTectirte Lentimentalität erscheinen, denn eine solche Uebertreihung und Erdichtung lässt man sich auch bei der Dichtung nicht gefallen. — Ein sehr ergreifendes und fast dramatisch bewegtes und belebtes Gedicht ist ״Davids Reue," 8. 24, nur Schade, dass die Anlage dieses balladenartigen Gedichtes nicht ganz correct ist, indem der Verfasser hier ein Moment mitspielen lasst, das