Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 11
- Article
- [Rezension] / H.
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 435 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Recensioncn und Anzeigen. 435 tralen Producten, die weder schaden noch nutzen, überschwemmt werden, und es träte dann eia Stillstand ein, der namentlich in Kunst und Wissenschaft doch wohl einem Rückschritte gleichkommt. Doch werden wir uns weder von dieser die Kritik zurückweisenden captatio benevoleutiae, noch von der gereimten liüchternen Prosa des Vorwortes abschreckcn lassen, sondern gewissenhaft an das Werk gehen und das Recht der Kritik zu wahren wissen. Da stellen sich denn uns gleich die beiden ersten Gedichteben (,,Mit mir ist Gott," ״Vertrauen auf Gott") als recht fliessende, gemüthrciche und sprachlich abgerundete dar. So lange unser Dichter in diesem leichten Genre sich bewert, leistet er Vortreffliches. So sind denn viele seiner Gedichte (z. B. S. 48 ״Das Lob des Herrn," S. 62 ״Guter Rath," S. 80 ״Gott ist unser Vater," S. 82 ,,Menschenliebe,"־ S. 84 ״Ehre Vater und Mutter," S. 91 ״Die Chanukkalichter") für Schule und Haus recht wohl geeignet, GedächtnissstofT für die Jugend zu dienen. Nur wenn wir sie von diesem Standpunkte aus beurtheiien, können wir ihnen den Mangel an Neuheit und Originalität des Gedankens naehsehen, •denn für den angegebenen Zw׳eck genügt es, geläufige moralische Lehren in flies sende, ansprechende Verse zu kleiden. — Der eben bezeiehneten Gedichtgattuug nahesthekend, aber in einem höheren Stile vorgetragen, ist ״Das Welfcenecho," 8. 5, welches eins der schönsten, wenn nicht überhaupt das schönste dieses Gedichtenkranzes ist. Von echt jüdischem Geiste durchweht, ist es an Abrundung und Wohllaut von allen anderen fast unerreicht. Hätte der Dichter immer diesen Ton angeschlagen, seine Klänge würden in jedem Herzen ein lautes Echo hervorrufen. Wenn es die Grenzen einer einfachen Reccnsion nicht überschritte, wir wären versucht, dieses Gedichtchen in extenso hier wiederzugeben. — Hingegen ist das Gedicht 8. 10 ״Alks lobet Gott“ nichts weiter, als ein dürres Register von Naturgegenständen und Naturerscheinungen, und nicht einmal eine Variation zu nennen des in den Psalmen so oft und so schön vorgetragenen Thema's, obwohl einzelne SteL len im folgenden Gedichte: ״Israels Schutzwaffen im Mittelalter,44 und zumeist die Schilderung des Nachtigallgesanges, von der, in unserem Büchlein nur wenig zur Geltung gebrachten Gabe des