Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Geschichte der Juden in der Schweiz
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 414 (sequence 10)
- Language
- German
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414 Geschichte der Juden Vorurtheile früherer Zeiten in die Schranken traten. Es gelang ihnen freilich nicht, dem Principe, dem sic das Wort redeten, einen vollständigen Sieg zu verschallen, aber sie hatten die Gcnugthuung, dass in Anerkennung ewiger und allgemeiner Menschenrechte, die Ausnahms- Stellung der aargauischen Juden zum Theil aufgehoben und ihnen eine menschenfreundlichere Behandlung gesichert wurde. Auf die Ilelvctik kam die napoleonische Mediation. Diese französische Interimsregierung hatte im September 1802 eine Revolte gegen die aargauischen Juden zu untersuchen. In der Nacht vorn 20. zum 21. September kamen Bauern, begleitet von einigen Soldaten der Insurrection, nach Den.gi>an, vorgebend, General Reiner fordere, Lengnau solle den Process gegen Niederwenigen, eine benachbarte Ortschaft, aufgeben, sonst, würde er die Juden mit all’ seiner Mannschaft überfallen. In Folge dieser Drohung Unterzeichnete ein dortiger Jude die Erklärung, dass der Process aufgehoben sei, und zahlte über fünfhundert vom 8. Mai 1798: ״Die Juden erwarten noch ihren Messias, wird eingewendet; aber ihr Messias ist jetzt gekommen, wie er uns gekommen ist. denn die Freiheit und Gleichheit sind der wahre Messias, welcher das ganze Menschengeschlecht beglücken soll; bei diesem Messias beschwöre ich Euch, Eidgenossen, betrachtet die Juden als l>rüder, legt alle eure Vorurtheile ab, sehet in ihnen nichts als eure Mitmenschen und heiligt dadurch die heiligen liechte der Menschheit und die Constitution selbst, die uns Bruderliebe gebietet.11 In gleichem Momente sprach öeeretan: ״Wollt Ihr, Bürger, Stellvertreter der freien Eidgenossen, noch neue Mauern aufrichten zwischen Menschen und Menschen? Wollt Ihr Niemand als Bürger annehmen, als wer glaubt, was Ihr glaubt? Wollt Ihr vielleicht wieder unter uns selbst Mauern aufrichten, die die Conetitution niederwarf? Ich sehe keinen Mittelweg, entweder müssen die Juden Bürger oder Sclaven sein! Oder wollt Ihr sie fortjagen und die Greuel wieder erneuern, welche in Spnnien und bei uns selbst in barbarisehen Zeitaltern gegen diese unglücklichen Menschen ausgeübt wurden? Man spricht von politischen Gründen: hat denn der active Handel, den sie treiben, keinen Nutzen? . . . Ueberall, wo die Juden frei waren, waren sie auch nützlich, die portugiesischen und holländisehen Juden mögen hiervon zeugen, und über die gut«? Organisation ihres Kopfes führe ich nur Mendelssohn an.a