Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Geschichte der Juden in der Schweiz
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 412 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2829132-2829290-2829302-2860056--08049-2860083- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
412 Geschichte der Juden Ueber die inneren Verhältnisse dör Juden im Thurgau erfahren wir nichts, als dass es ihnen verboten war, das ihnen angehörige Vieh auf den gewöhnlichen Fleischbän» ken zu verkaufen. Man findet dieses Verbot in ״Ainunge der 8tat Diessenlioven,“ dem ältesten Diess. Stadlbuch (bei Pupikofer, Urkunden 8. 50): ,,Swas Flaiscbes dehain Jude sieht oder sindet daz die Juden ungehöret, die hie sesshaft sint, swas si da versprechent vnd von den vnctzercn nit. ne ment daz soet die mezzicr vail hau enhalb der strass von der metzi. Swele metzier euch dehain fl ui sch verkaufet daz fröm den Juden sölte wirt da (it versprochen daz denen der Jude nit nimmet, daz sol vor der statt gefiiret werden daz si ni.it hie beiibe und daz si nüt hie verkauft werde.“ 2. Die Emancipation im Aargau. I. Es hat wohl selten ein Factum so viel von sich reden machen und eine solche Umwälzung in einem Staate hervorgerufen, wie die bürgerliche ■Gleichstellung der kaum 2000 Juden im Clinton Aargau. Diese Angelegenheit, welche jetzt durch die in den jüngsten Wochen gepflogenen Verhandlungen vor der Bundesversammlung und deren Beschlüsse gewi&scrmasscn ihr Ende erreicht hat, bildet ein nicht uninteressantes Stück Geschichte, das der zukünftige Geschichtschreiber der Juden nicht unbeachtet lassen darf, und verlohnt es sich wohl der Mühe, eine genaue Darstellung hier zu liefern. Das Jahr, in welchem die ersten jüdischen Familien sich in der früher unter österreichischer Herrschaft stehenden Grafschaft Baden niedergelassen haben, lässt sich nicht genau ermitteln; so viel ist gewiss, dass sie daselbst bereits am Ende des sechszehnten Jahrhunderts angetroffeu werden. Wahrscheinlich ־waren sie Flüchtlinge von der im Thurgau, namentlich zu Diessenhofen, Rheinau und Umgegend rebellisch und gewaltsam stattgefundenen Judenvertreibung'). Es waren ihrer anfangs nur sieben l) Vgl. oben.