Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Horae Semiticae
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 380 (sequence 4)
- Language
- German
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380 Horae Semiticae. sich zu vergegenwärtigen, wo Gott zu Gericht sitzen und Alles ausgleichen wird. Dieser Trost hätte nun freilich genügen können, wenn nicht noch eine andere, nicht zu umgehende Frage zu beantworten gewesen wäre, nämlich wie der zu erharrende Ausgleich sich zu den bis dahin aus dem Erdenleben bereits Geschiedenen verhalte. Diese Kernfrage war nur durch die Annahme zu lösen, dass das dereinstige Gottesgericht sich nicht blos über die Lebenden, sondern auch über die Verstorbenen erstrecken werde7). Der Glaube an die Auferstehung erscheint somit als strenge Consequenz des Glaubens an die Offenbarung; durch den erstcren erhält der letztere erst seine Vervollständigung. So ungereimt es nun wäre, die Lehre von der göttlichen Offenbarung für nicht biblisch zu erklären, ebenso ungereimt muss es erscheinen, der Lehre von der Auferstehung den biblisehen Ursprung abzusprechen, selbst wenn jene Bibelstellen, die als Belege für die betreffende Lehre citirt werden, nicht vorhanden wären. Beide Lehren, die der Offenbarung wie die der Auferstehung, gehören zusammen, wie Leib und Seele eines lebenden!Menschen. Uebrigens ist zu unterscheiden zwischen Auferstehung im Fleische (סחיח המסים) und Fortdauer der Seele nach dem kör« perlichen Tode (השארה הנפש); es sind dies zwei grundverschiedenc Dinge. Man kann ein entschiedener Bekenner der Lehre von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele sein, ohne darum noch an die Auferstehung im Fleische zu glauben. Das Zusammemverfen dieser heterogenen Begriffe hat auf dem Gebiete der jüdischen Dogmatik grosse Verwirrung angerichtet. Schon Josephus ist hierin im Unklaren, wenn er (Antt. XVIII, 1, 14) den Saddukäern die Lehre zuschreiht: tag ipvxag ovvaepavifcu toig cco/iocci. Aus den dogmatischen Disputationen der Saddukäer geht nirgends hervor, dass sie der Seele die Fortdauer nach dem Tode abgesprochen; überall ist das punctum saliens einzig und allein die Lehre von der Auferstehung8). dar. 8b אץ נידנם לעתיד לבוא וכו׳, dazu lb.8’ר״ן Glosse: לאהד תחית הסתיס קאמר• והכי נמי סוכה בפ״ק דע״א. T) Siehe die vorige Anmerkung. •) Vgl. auch Math. 22, 23; Act 23, 8. In letzterer Stelle wird gesagt, die Saddukk. hätten auch gelehrt: pq efacu... ayytlov, pjt