Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Zur Geschichte der Juden Amerika's
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 367 (sequence 7)
- Language
- German
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Amerika’s. 367 Geschichte der Juden ist nach doppelter Richtung aufzufassen: nach der Ausdauer in Jahrtausende langen Kampfen und deren Ucberdauer; in dem Kampfe und Bestehen liegt der Sieg des göttlichen Gedankens. Das Judenthum hat ferner seine Geschichte in dem Walten und Wirken des menschlichen Geistes, sein Schwerpunkt liegt nicht in dein Ertragen allein: die Thätigkeit auf literarischem Gebiete, die sich fast in allen Richtungen des Wissens kundgebenden geistigen Bestrebungen legen Zeugniss für die Lebendigkeit des Glaubens, wie nicht minder für die lebendige geistige Regsamkeit des Juden ab. Die Juden -Amerika's haben nicht Glaubenskämpfe zu bestellen gehabt, es kam ihnen bei ihrer Einwanderung Glaubensfreiheit entgegen; und eine Literatur habe״:,sie, wenn auch unter ihnen manche hochgebildete Männer, schon wegen der kurzen Zeit ihrer Ansiedelung weder auf dem Gebiete der Religionswissenschaft, noch in einem anderen Zweige des Wissens aufzuweisen. Lassen wir also die Erschcinungen im Einzelnen an uns vorüberziehen, so muss das Judenthum in Amerika auf den Namen einer Geschichte verzichten. Doch bietet es in seiner Gesammtheit ein grossartiges religionsgeschichtliches Bild und legt, wie die Geschichte der Juden in der alten Welt, Zeugniss für die Göttlichkeit des Glaubens ab. Die Juden wanderten in Amerika und wandern noch in einzelnen Familien, oft nur in gesonderten Individuen ein. Der Zug fuhrt sie mitunter nach den entferntesten Gegenden, und sie sind von den Glaubensbrüdern durch ungeheure Dimensionen getrennt. Und dennoch gehet Keiner verloren, die Anhänglichkeit an den Glauben bewährt sich in den entferntesten Strichen; viele religiöse Vorschriften können nicht ihre Ausführung finden, aber im Herzen wurzelt die Glaubensliebe, und man sucht sich mit aller Kraft an den Glauben anzuhalten. Da machen sich vor Allem die dem Juden theueren und ihn charakterisirenden Liebespflichten geltend. Wo nur irgend einige Ansiedler sich zusam men finden, wird ein Stück Land zum Begräbnissplatze erworben, dass den Todten ihre Ruhe werde. Unmittelbar hieran schliesst sich ein Wohlthätigkeitsverein