Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Zur Geschichte der Juden Amerika's
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829290-2829301-2859976--07983-2860009- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 1× ep/1004827
OCR text
368 Zur Geschichte der Juden an: fast jede Ansiedelung, so gering auch ihre Zahl sei — sie beläuft sich mitunter kaum auf siebenzig Personen — zählt einen solchen, mit Mühe und Kosten errichteten Verein, der für die einheimischen und ankomincnden Ar׳ men und Verlassenen Sorge tragen soll. Auch das Bediirfniss des Gottesdienstes wird tief gefühlt und cs wird ihm Rechnung getragen. Auf den kleinen Ansiedelungen versammelt inan sich an den hohen Festtagen zum gemeinsch&ftlichen Gebete, und cs wird mit grossen Kosten eine Pentateuchrolle (Leier Thora) angekauft oder von einer entfernten Gemeinde entlehnt. Wächst die Ansiedelung an Anzahl, so wird ein Chasan (Vorbeter) angestellt, der zugleich die Jugend in den Religionsgegeiiständen unterrichtet. Endlich wird zum Baue einer Synagoge geschritten, und die Gemeinde ist constituirt. So lebt das Judenthum in Amerika trotz der ungemeinen Zersplitterang und bewährt auch liier seine Uri Vergänglichkeit! Die Anzahl der Juden in den Vereinigten Staaten beläuft sich annähernd auf 200,000; die grössere Zahl ist in den grossen Städten ansässig: Neuyork allein zählt 40,000 jüdische Bewohner. Doch bildet nicht jede Stadt eine Gemeinde: nach dem Muster der englischen Metropolis rechnen sich die Gemeinden nach den Synagogen, die Mitglieder einer Synagoge bilden je eine Gemeinde*). Wir werden nun bei Neuyork verweilen, das ziemlich ein Bild der amerikanischen Gemeinden abgibt. Neuyork zählt 23 Gemeinden**); sie scheiden sich nach dem verschiedenen Ritus, sefardischcm, polnischem, reformirtem Ritus; bei manchen beruhet die Vereinigung zu einer Sy- *) Zur grösseren Deutlichkeit werden wir die sämmtliche jüdische Einwohnerschaft einer Stadt Gemeinde, den Verein nach einer Synagoge Synagogen gemeinde benennen. **) Wir folgen hier und weiter Herrn Benjamin II. Dem Verf. gehet zwar wissenschaftliche Bildung und Auffassung ab, auch leidet sein Werk an ungemeiner Weitschweifigkeit und anderen Ungehörigkeiten; doch ist es für statistische Notizen eine schätzbare Quelle. Manche neueren Notizen (der Verfasser bereiste Amerika vom Juli 1859 bis Anfang 1862) sind öffentlichen Blättern und anderen Mittheilungen entnommen.