Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Geschichte der Juden in der Stadt und Diöcese Speyer
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 9)
- Language
- German
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in Speyer. 305 politischen Verhältnisse der Juden ohne Bedeutung, liefern doch immer einen nicht unwichtigen Beitrag zur Culturgoschichtc und zur Kenntniss des Finanzwesens im ]Mittelalter, und verdienen darum auch der Berücksichtigung und Erwähnung. Kehren wir nunmehr zur Geschichte der Juden in Speyer zurück. Im Jahre 1313 wurde auf dem speyer'schen Territorium die gewaltig verstümmelte Leiche eines Einsiedlers,!Namens. Ludwig, gefunden, die, nachdem sie in die Kirche gebracht worden war, dort allerlei Wunder gethan haben soll. Nichts war natürlicher, als dass die Juden am Ostcrabende ,den!Mord begangen hatten, sie wurden eingefangen und, nachdem sie die That bekannt hatten, verbrannt. So berichtet der Chronist Jobann cs Yictoriensis Vielleicht hatten die Juden in Speyer in Folge dieser Beschuldigung schon damals eine Verfolgung zu erdulden als Vorspiel zu der Katastrophe, welche sechs Jahre später über sie hereinbraeh, und vermut blich steht mit jenem Ereignisse der Beschluss des Stadtrathes in Speyer vorn Uten!März 131־1־ in Verbindung, den König zu bitten, die Judcmhäuser daselbst, welche wahrscheinlich von ihren früheren Bewohnern während der Verfolgung verlassen worden waren, städtisches Eigenthum werden und nicht in Privatbesitz kommen zu lassen. Kein Bürger sollte auf die Judcnliäuser bieten zu seinem Nutzen; wer dies aber tliätc. so dass ihm von dem Könige eins oder mehrere derselben gegeben würde, für den sollte diese Gabe machtlos sein, von der er auf Aufforderung dos Käthes zu lassen habe. Thäte er dies nicht, so sollte er zur Strafe die Stadt auf zehn Jahre räumen müssen und die Gabe dennoch keine Gültigkeit haben83). Dass der schon früher nachgewiesene Zusammenhang der drei Rheinstädte Mainz, Worms und Speyer auch noch in dem eben genannten Jahre bestand, geht aus zwei hebräischen Urkünden dieses Jahres hervor, deren Originale sich in dem grossherzoglichen Archive zu Darmstadt finden04), und in denen die 82) Bei Böhmer, Fontes 1, 448. 83) Dieser Beschluss ist abgedruckt bei Mono 9, 270. 04) Scriba gibt nämlich in seinen Regesten zur Geschichte des Grösst!erzogthums Hessen Kr. 5523 und 5524 nach Weidenbach Reg. Bingens. Kr. 277 und 278 den Inhalt obiger Urkunden unter dem 7. December 1344 folgendermassen wieder: ״a) Joseph, Sohn Israels