Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Geschichte der Juden in der Stadt und Diöcese Speyer
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 10)
- Language
- German
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264 Geschichte der Juden Aehnlichc Mords eenen fielen in Speyer im Februar 1196 untcr dem Bischof Otto, dem jüngsten Bruder des genannten Grafen Günther von Hcimebcrg, vor. Damals wurde eine Christ in in der Nähe Speyer's ermordet gefunden, was den Judenfeinden eine willkommene Veranlassung war, die Juden zu verdächtigcn, als hätten diese! den Mord begangen. Der Pöbel verschonte in seiner Zügellosigkeit sogar die Leichen nicht, sondern zog die erst vor Kurzem bestattete Tochter des II. Isaae ben Ascher lialevi, des Jüngeren, aus ihrem Grabe, hing sie auf offenem Markte auf und band zur Verhöhnung der Juden eine Maus an ihre Haare. Erst durch Geldopfcr gelang es dem Vatcr, sie wiederum in ihre frühere Grabesstätte zu bringen. Am folgenden Tage aber drang die Potte in das Ilaus des Rabbiiicrs, erschlug ihn nebst, noch anderen acht Personen und verbrannte viele Häuser der Juden. Letztere hatten sich auf den Söller der Synagoge gerettet und die Leiter, auf der sie hinaufgestiegen waren, zu sich hinaufgezogen. Nachdem ihnen endlieh durch Verwendung des angesehenen K. Chiskija b. Reuben aus Boppard48) und des R. Moscheh ben Joseph hacciheu Hilfe gekommen war, stiegen sie von dem Söller wiederum herab und vcrliesson die Stadt noch während der Nacht, worauf ihre Feinde die Häuser' der Juden plünderten, deren Bücher und Gesetzrollen in den Rhein warfen und die Synagoge in Brand steckten. Durch Geld gewonnen, hatte ׳Otto, Pfalzgraf von Burgund und Bruder des Kaisers Heinrich VI., bevor die erwähnten Mordthaten verübt worden waren, verboten, Hand an die Juden zu legen. Als er nun aber hörte, dass trotz dessen solche Scencn vorgekommen waren, gerieth er in Zorn, bcla- ") R. Chiskija ben Reuben gehörte ebenfalls zu denen, welche die in Mainz 1220 erneuerten •Statuten mitunter/,eiehneten, und in seinem }lause lebte, wahrscheinlich als Lehrer seiner Kinder, R. Elieser aus Toul, welcher einst, als R. Chiskija ihm das Honorar längere Zeit vorentliielt, gegen diesen bei R. Elieser ben Joel halevi klagbar wurde, ־welcher hierauf den R. Chiskija zur Zahlungsleistung verurtheilte. Siehe RGA, des R. Chajim Or Sarua Kr. 39. Eine Woche nach den im Texte erwähnten Vorfällen in Speyer waren ähnliche Mordscenen auch in Boppard vorgekommen, wo der Vorbeter R. Salomo nebst sieben anderen Juden ermordet wurde, worauf Pfalzgraf Otto zwei von den Mördern blenden, liess und die Bürger von Boppard auf Befehl des Kaisers dem R« Chiskija 300 Mark Entschädigung geben mussten.