Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Geschichte der Juden in der Stadt und Diöcese Speyer
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 9)
- Language
- German
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in Speyer. 263 weiter keinen Einfluss. Traurig gestaltete sich dagegen deren Geschick unter dem Bischof G ii n th e r י Grafen von Henneberg. Derselbe hatte seine Würde in einer Zeit angetreten, in welcher Papst Eugen 111. Alles in Bewegung zu setzen suchte, tun einen zweiten Kreuzzug gegen die Sara eenen zu veranlassen. Um auch die zahlreichen Schuldner der Juden für den Kreuzzug zu gewinnen, hatte Eugen eine Bulle erlassen, kraft welcher ein Jeder, der sich dem heiligen Zuge ansehliessen würde, von der Zahlung der Zinsen an seine jüdischen Schuldner befreit sein sollte, und den beredten Abt Bernhard von Clairvaux veranlasst, das Kreuz zu predigen und dabei auf jene Schuldenerlasse hinzuweisen. Noch schlimmere Folgen aber als diese Bulle, durch welche die Juden bl08 namhafte Geldverluste erlitten, hatte für diese, insbesondere in den Rheingegenden, der Fanatismus, weldien der Mönch Rudolph im Jahre 1146 bei dem Volke gegen sie entzündet hatte. Er schilderte sie als die ärgsten Feinde der Christenheit, an denen diese für den Gekreuzigten Rache nehmen müsste, und verlangte, dass der Kreuzzug mit der Ermordung der Juden beginnen sollte. Das nufgestachelte Volk fiel hierauf über die Juden in Strassburg, Speyer, Worms und Mainz her und mordete ohne Erbarmen, was ihnen von Juden unter die Hände kam. In Speyer ergriffen nicht blos Laien, sondern auch Geistliche gegen die Juden die Waffen, beraubten sie ihrer Habe und Güter und erschlugen alle, die sich nicht durch die Flucht zu retten vermochten. Sobald der Abt Bernliard von diesen Mordtiiaten Kunde erhalten hatte, richtete er zwar an den Bischof, den' Glems und die Bürgerschaft noch in demselben Jahre ein ausführliches Schreiben, in welchem er sie von der Verfolgung und dem Blutvergießen der Juden abmahnte46), allein die gefallenen Opfer konnten dadurch nicht wieder in?s Leben gerufen werden. Einer Jüdin, Namens Minna aus Speyer, wurden damals die Ivreuzziigler habhaft, als sie die Stadt verlassen hatte; sie wurde ergriffen, und weil sie sich nicht taufen lassen wollte, wurden ihr Ohren und Daumen abgeschnitten; indess sie ertrug standhaft diese Qualen und blieb ihrem Glauben treu4y). 4') Lehmann'8 Chronik 8. 4H7. 4y) Ephraim aus Bonn in meinem Em. h&bb. 8. 2.