Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Dr. Gabriel Riesser
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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I)r. Gabriel Riesser. 232 Glanz und ihre Herrlichkeit von der seinigen geborgt war und mit der seinigen zusammensinken musste. Und in derselben Verbindung, durch welche hier der Untergang ein unvermeidlicher, ein nothwendiger ward, sollte dort die Erhaltung, die Unvergäuglichkeit gegründet sein? Was dort den Tod gebracht, sollte hier ewiges Leben erzengen? Dass dieser Auflassung ein Irrthum zu Grunde liegen müsse, ist klar. Wo die Religion dem nationalen Leben untergeordnet oder beigeordnet war, wo sie politischen Zwecken als Mittel diente, wo die Orakel der Priester und Auguren Werkzeuge waren in der Hand der Staatsmänner, Mittel ihrer schlauen Berechnung, da musste die Religion eben wegen des engen Zusammenhanges. beider dein politischen Dasein in die Gruft folgen. Im jüdischen Leben aber war die Religion, war der Gottesgedtmke das herrschende Princip; das nationale, das politische, das irdische Moment war ihm dienstbar und untergeordnet. Das Eine hing mit dem Anderen zusammen, es ist wahr; aber wie die Seele mit dem Leibe zusammenhängt, die vom Leibe unabhängige, ihn beherrschende und überdauernde Seele.“ Er frligt dann weiter: ״Ist es ernst gemeint, der Staat soll die Mühe für Erhaltung einer ihm fremden Nationalität übernehmen? Ein freies, selbsfcständiges fremdes Volksthum würde jeden Staatsmann mit Sorge erfüllen; eine ausländische Ouriosität dagegen, an der Kette liegend oder in Spiritus auf bewahrt, nie mag wohl der Gegenstand behaglicher Neugier sein, aber eine solche Rolle haben wir eben nicht Lust zu spielen. Wenn Ihr Antiquitäten liebet, so sammelt Euch dergleichen, muthefc uns aber nicht zu,, dass wir bei lebendigem Leibe Euch solche zum Ergötzen darstellen/' Es wird nun euergisch gegen die im Entwürfe ausgesprochene Befreiung der Juden vom Kriegsdienste angekämpft, sowie gegen die daselbst vorgeschlagenen Corporationsrechte, ״vermöge welcher die Juden als besondere politische Corporationen im Magistrate und bei den Stadtverordneten ver» treten sind;“ und wohl mag diese Schrift mit beigetragen haben, dass der Entwurf nach diesen Richtungen hin nicht zur Ausführung kam. Frankel, Monatsschrift XII. 6. 18