Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Dr. Gabriel Riesser
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829290-2829297-2859695--07776-2859747- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
J)r. Gabriel Riesser. 2:U Noch einmal begegnen wir Riesser im Kampfe für das Recht der Juden. Die Preussischen Jahrbücher von Heym brachten im Jahre 1861 einen anonymen Aufsatz über die Verhältnisse der Juden in Preussen, zu dem sich Riesser als Verfasser bekannte. Seine Bestrebungen in dieser Zwischenzeit für Deutschlands Recht und Einheit, und wie er von der Idee eines einigen deutschen Vaterlandes begeistert war, wurde oben berührt und lebt in Jedermanns Angedenken. Werfen wir nun noch einen kurzen Blick auf das individuellc Leben Riesser's. Der feuerige, schonungslose Kämpfer für Recht war der gemüthlichste, seelenrolle Freund, der heitere und erheiternde Gesellschafter, der liebevolle und hingebende Menschenfreund, der unemnüdliehe Wohlthiiter, wo je seine Milde in Anspruch genominen wurde. Er hatte trübe Erfahrungen gemacht: er suchte sich in Heidelberg als Privatdoccnt zu habililireu, die Erlaubnis hierzu wurde ihm verweigert, weil er Jude sei; er suchte eine Advocatur in seiner Vaterstadt nach, sie wurde ihm abgeschlagen, weil er Jude sei. In tiefem Unmuthe hierüber siedelte er auf einige Jahre von Hambürg nach Bockenheim bei Frankfurt über; aber sein Gemuth wurde nicht verbittert, er verblieb stets der offene. Jedermann mit Herzlichkeit entgegenkommende Menschenfreund. Später kehrte er wieder nach Hamburg zurück; die allgemeine Achtung kam ihm entgegen und er wurde nun Consulent der grösseren Bankier- und Handelshäuser. Das Jahr 1860 brachte ihm endlich eine seltene Au8seichnung: er wurde vom Senate zum Obergerichterath er- ת an nt. In Hamburg, wo selbst späte christliche Abkomm-־ linge eines Juden nur ungern in den Patricierst&nd aufgenommen wurden, ein unerhörtes Ereigniss•! Und auch hier bekundete sich Riessers Seelenadel. In einem Schreibei! an eine ihm verwandte Dame in Berlin bemerkt er: ״Nicht um meinetwillen י sondern um der Juden willen freue ich mich der mir gewordenen Auszeichnung; ich erblicke in ihr die Anerkennung des Rechts des Juden.‘* So ging in Riesser ein edler Mensch, ein begeisterter Kämpfer für Recht und Wahrheit heim; das Judenthum