Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Dr. Gabriel Riesser
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 18)
- Language
- German
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232 I)r. GabricL Ricsscr. bildet in dieser Polemik die gründliche Besprechung der Werke der Dudcvant (George Sand). R. bekundet hier eine seltene Reife des ästhetischen Urtheils; er erfasst mit eindringendem Blicke den Genius der Schriften der Dudevant und zollt ihr, dem wegwerfenden Urtheile Menzels gegenüber, gebührende Anerkennung. Hierher ist ferner zu beziehen seine leine Beurtlieilung des ״Paria“ von Michael Beer. Auch die mit der zartesten Schonung ausgesprochene Rüge des Mangels an Selbstbewusstsein bei Michael Beer, und dass er es nicht vermochte, mit stolzer Verachtung über die Kreise wegzusehen, die mit Wegwer fang auf den Juden herabblickten, ist der tiefen Beachtung und Beherzigung wertli. — Gedenken wir hier auch Riessers im Jahre 1838 ergangenen Aufrufes ״Einige Worte über Lessings Denkmal, an die Israeliten Deutschlands gerichtet.“ ln diesem, zu Beiträgen zu einem Lessingdenkmu-1 auflbrderndcn Aufruf, der an edler, einfacher Stylisirung zu den vorzüglichsten Leistungen Riessers gehört, tritt uns der Verf. in seiner Charakteristik Lessings als tiefer Denker und in seiner Auflassung des Nathan als gediegener ästhetischer Schriftsteller entgegen. — Die im Jahre 1842 erschienenen ״Besorgnisse und Iloflhungen für die zukünftige Stellung der Juden in Preussen, von G. lliesser,“ versetzen uns wieder auf das politische Gebiet. Diese Schrift ist gegen den bekannten Gesetzentwurf gerichtet, der, in ״romantischem Anflug“ erfasst, die ״Wahrung der Nationalität der Juden“ sich zum Ziele setzte, ״da es wunderbar sei, wie das Juderitbum sich in den Stürmen so vieler Zeiten und Völker erhalten, und diese Erhaltung nur dem Umstande beizumessen sei, dass Religion und Nationalität bei ihnen stets im Bunde gewesen.“ Riesser weiset mm nach, dass dieses ״Wunderbare“ nicht in einem im gewöhnlichen Sinne aufzufassenden ״Wunder“ liegt ״Die Ewigkeit des Judenthums ist die Ewigkeit der Idee, die Ewigkeit des Geistes, die Ewigkeit der Uebcrzeugung, über welche die Stürme der Zeiten und der Völker nichts vermögen. Als Griechenland, als Rom fiel, da mussten seine^Götter mit ihm fallen, eben weil sie die Götter Griechenlands, Roms waren, weil ihr