Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Dr. Gabriel Riesser
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 17)
- Language
- German
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Dr. Gabriel Riesser. ‘231 Im Jahre 1840 begegnen wir Riesser auf einem anderen polemischen Gebiete. Bisher hatte, ־er es mit Gegnern der Juden auf materiellem Boden zu tliun; aber es gab Autoren, die die staatliche Gleichstellung der Juden anerkannten und ihr das Wort redeten, jedoch nicht beanstandeten, den Juden auf literarischem Gebiete zu vordächtigen. H. Heine hatte hierzu die Veranlassung gegeben. So fragte G. Pfizer in der Deutschen Vierteljahrsschrift: ״Ob nicht Billigkeit und Vernunft dem Juden gebieten, nicht durch Spott und Blasphemien die ruhige Unparteilichkeit und den Gerechtigkeitssinn des Christen auf eine zu harte Probe zu stellen?“ und fährt fort, die Juden anzuklagen, ״dass ein Tlieil von ihnen und besonders diejenigen, die am lautesten die Euuuicipution fordem, nicht aufgehört haben, Heine insgeheim als den Xhrigen zu betrachten u. 8. w.“ Noch ärger verfuhr Wolfgang Menzel. Er hatte früher als Schriftsteller und Volksvertreter die Sache der Juden mit Wärme vertheidigt; irn Literaturblatt 1833 Nr. 5 sagte er: ״das Hep Hep rufende literarische Lumpengesindel wirft inan zur Tlnire hinaus;“ doch der unbeständige Mann, der den früher von ihm gepriesenen Heine hasste und gegen das junge Deutschlaiid den tiefsten Ingrimm hegte, machte später die Juden für Heine und Jungdeutschlund verantwortlich, und wusste nur ״von einer Brut gemeiner Judenjungen, die Alles, was dem Christen und Deutschen heilig ist, mit offenem Hohne beschmutzen,“ zu erzählen. Die Juden verantwortlieh für den zum Christenthuni übergegangenen und Judentlium wie Christenthuni verhöhnenden Heine, die Juden verantwortlich für das junge Deutschland, und die Männer, die zu ihm zählten, waren sämmtlich geberene Christen! Riesser hatte schon in einer im Jahre 1832 erschienenen Flugschrift ״Börne und die Juden,“ auf diesen Unsinn aufmerksam gemacht; in seinen im J. 1841 erschienenen ״Jüdischen Briefen“ legt er das Streben, in solcher Weise Judenhass zu erregen, in seiner ganzen Nichtswürdigkeit dar, und man begegnet auch hier dem edlem, gegen Lügenhaftigkeit und Unredlichkeit entbrannfcen, zum Siege führenden Eifer. Eine schöne Episode