Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Dr. Gabriel Riesser
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 16)
- Language
- German
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230 Dr. Gabriel Riesser. dem Scheine des Rechts auftretende Unrecht einander berühren. Nicht minder wichtig sind diese Blätter zur Aufklärung über Gewissensfreiheit, zur Erkenntniss der Grenzen des Staates und der Kirche; hier spricht nicht nur ein reehtspUilosophischer, sondern eia wahrhaft legislatorischer Geist; R. kämpft zunächst für seine Glaubensgenossen, aber seine Worte sind geschöpft aus dem tiefsten Born der Achtung vor der Freiheit des Mensehen, sich selbst zu bestimmen, und seinem Rechte-, in dieser Selbstbestimmung keiner unmittelbaren oder mittelbaren Störung des Staates zu begegnen. -- Der ״Jude,“, der auch Aufsätze von Steinheini, Islcr, Pinhas, Lehmann n. A., ferner von religiöser Begeisterung eingegebene rel. poetische Gedichte brachte, erlitt im Jahre 1834 eine Unterbrechung. R. beabsichtigte hierauf, ihn in zwanglosen Heften herauszugeben, doch erschien nur ein Heft im J. 18)55. Dieses lieft enthält ״Bemerkungen zu den Yerhandlangen der badischen Stäudeversammlung über die Emanzipation der Juden im Jahre 1833." R. geisselt hier ״jene falschen Freiheitshelden, die, unedel genug, in der Sache der Freiheit nicht das Princip der Gerechtigkeit, sondern die Gewalt der Mehrheit sehen, glauben, es sei ganz in der Ordnung, dass die Mehrheit-, so wie sie freier werde, der ihr untergeordneten Minderzahl nur um so schwerere Fesseln schmiede, da die Unterdrückung hier ja gerade ihrem׳ vermeintlichen Interesse dienen, ihren Leidenschaften froh neu solle." Es war schmerzlich, in der Reihe dieser Männer einen ״Koryphäen des Liberalisinus," Carl v. Rottek, zu begegnen; er hatte sich als Berichterstatter gegen die vollständige Emancipation ausgesprochen, erkannte zwar an ״die Unantastbarkeit der allgemeinen menschlichen und staatsbürgerlichen Rechte," fand aber ״die Statuirung einer politischen Rechtsungleichheit" durchaus zulässig. Riesser hatte den Muth, gegen den allgemein gefeierten Liberalen aufzutreten und ihm das Sophistische seiner Distinction nachzuweisen, auch wies er manche bösartige Behauptungen anderer Abgeordneten über Juden und Judenthum mit der ihm eigenen Kraft der Beweisführung und des Wortes zurück.