Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Dr. Gabriel Riesser
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829290-2829297-2859695--07770-2859741- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
22S Dr. Gabriel Riesser. erforderlich sind, ob sie die warme Liebe zu dem, was ihren Inhalt, das Wesen ihres Zusammenhanges ausmacht, die freie, nicht zu erzwingende, selbstverlcugnende Ergebenheit gegen das Bestellende, das Bedürfniss, gerade aus dieser Quelle religiöser Erhebung und Erregung der Andacht zu schöpfen, ohne welches eine, noch so bequem und zweckmässig eingerichtete Reiigit.-n eine bohle Nuss ist, mit sich führt. Dass nun eine Reform, wie die Verlegung des Sabbats, wie geringe sie auch von einem abstract rationalen Gesichtspunkte aus betrachtet, scheinen mag, in Beziehung auf das lebendige Bestehen einer Religion von grosser Bedeutung ist, dass sie, wenn nicht alle Bekenner des Judenthums ׳— was unmöglich zu erwarten ist — ln ihr übereinstimmen, ganz nothwendig durch eine förmliche Trennung, und somit durch die Ilervorrufung einer neuen, selbstständigen religiösen Gemeinde bedingt ist — das wird Niemand leugnen,., der die Realität der Verhältnisse nur einigermassen im Auge hat .... Die Frage stellt sich nun klar dahin, ob in den Gemüthern derjenigen Individuen, die die Verlegung des Sabbats 'wünschen, oh in den Gesinnungen und!Motiven, die diesem Wunsche zu Grunde liegen — mehr als ein Wunsch, ein cigcnt* liches Streben ist er noch nie geworden — sieh die Elemente eines selbstständigen Lebens, einer dauerhaften religiösen Ge־׳ meiiisehaft vor linden'? Die in dem beinahe allgemeinen Bewusst• sein, wenn auch mit verschiedenem Grade der Klarheit liegende Verneinung dieser Frage ist es, meines Bcdünkens, welche’die allgemeine Ansicht bestimmt, und jenen auffallenden Zwiespalt zwischen dem individuellen Wunsche und dein Bestreben für die Gesamintlieit veranlasst. Die Gründe jener Verneinung möchten eben nicht schwer darzulegen sein. Was zunächst die Motive der in Frage stehenden Reform betrifft, so beruhen sic auf dein Nutzen, der Zweckmässigkeit, der Bequemlichkeit, dem Entgegenkommen, kurz auf Allein, nur nicht auf der Religion. Wir haben also hier einen Act, der seiner äusseren Wirksam• keit nach so bedeutend ist, dass er eine ganz neue Religiousgesellschaft erzeugen muss, dessen innere Bedeutung aber eine, wenn nicht irreligiöse, doch zur Religion sich ganz indifferent verhaltende, einem der Religion ganz und gar fremden Boden entwachsene ist. — Wenn es von der einen Seite eine überaus verächtliche Ansicht ist, welche die Religion zu einer Sache des