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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1863-01-01 · Heft 6 · p. Seite 226

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
12 (1863)
Issue
Heft 6
Article
Dr. Gabriel Riesser
Date
1863-01-01
Page
Seite 226 (sequence 12)
Language
German
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226 Dr. Gabriel Riesser, aller Völker der alten Welt überdauert, das über die Schlünde der Zeiten, in welchen die Riesennationen des Alterthums begraben sind, hinweggesetzt hat? Ist es wirklich unter diesen Umständen so unnatürlich und gehört wirklich das, was Herr Dr. P. eine ״rabbinische Logik“ nennt, dazu, um den Geist der mosaischen Religion im entgegengesetzten Sinne aufzufassen? Nicht die Religion, so denken wir, war dem Moses ein Mittel, den Staat zu regieren, sondern der Staat, das nationale Leben, war ihm die nach der beschränkten Weise des Älterthums nöthige Form, um den Gedanken an den Einen Gott zu befestigen und zu verbreiten; wie Abraham seine Familie, so hat Moses sein Volk dem Einen Gotte geweiht; nicht um sein Volk von anderen Nationen abgesondert zu erhalten, am wenigsten, um es gewaltsam herrschend über Andere zu machen, hat er das Cercmonialgesetz gegeben, sondern um die Bekenner des Einen Gottes von den Götzendienern, die sie umgaben, zu sondern, noch mehr aber, damit ihr ganzes Leben mit seinen Trieben und Bedürfnissen, mit allen seinen Schmerzen und Freuden von dem Gedanken an Gott durchdrungen werde. Nur so ist das sonst umiullösliche Räthsel des 2000jährigen Fortlebens der Juden, die als Nation 80 klein und schwach und leicht zu besiegen waren, zu erklären, und, von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, gewinnt manche leicht, zu bespöttelnde Seite des religiösen Lebens der Juden eine ernstere Bedeutung. Ob zu diesein Zwecke noch heute, ob nach den Lehren der späteren Propheten die Erfüllung des Cercmonialgcsetzes das einzige oder das rechte Mittel sei, ob das Bewusstsein des Gedankens an Gott ohne fortdauernde äussere Erinnerungszeichen mit gleieher Innigkeit festzuhalten, ist eine Frage, die Religion und Phi- 10sophie zu beantworten haben, und über deren Beantwortung die Meinungen unter uns sehr verschieden sind." R. macht nun den Begriff Nationalität klar, und wie er falsch auf die Juden, ״die nach eigenen Gesetzen leben,“ angewendet wird. Diese Gesetze sind nicht nationale, sondern religiöse Gesetze, und so bilden die Juden Bekenner, nicht Nationale. Und wenn die Befolgung und Uebung jener Vorschriften und Ceremonien als Resultate von Vorurtheilen betrachtet werden, deren Ablegung Herr Dr. P. zur Bedingung der vollen Aufnahme in den Staatsverband gemacht wissen will, so habe ich geglaubt und glaube

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