Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Dr. Gabriel Riesser
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 9)
- Language
- German
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D1\ Gabriel Riesscr. 22a keilt einer untergegangenen Zeit angehörend, von sieh weisen.“ Aber die eigentliche Illustration ergibt die Zeit, in der diese Schrift verfasst wurde, sie zeigt, dass diesen Aeusserungen ein tieferes, edles Motiv zu Grunde lag. Das zweite uml dritte Dcceunium dieses Jahrhunderts ist in der Geschichte der Juden zu seinem Nachtheile durch die vielfachen Uebertrittc jener Indifferenten und halb Aufgeklärten bezeichnet, die mit der Religion ein frivoles, jeden Mann von Ehre empörendes Spiel trieben. Diese Entrüstung spricht sich auch in den obigen Stellen vielfach aus; R. erklärte den Uebertritt, so lange nicht der Staat die völlige Gleichstellung der Juden verkündet, für Feigheit und Verralh, und wollte, wie der Schlusssatz seiner Aufforderung zu Vereinen zeigt, auch hiergegen die Thätigkeit der zu bildenden Vereine gerichtet wissen, Jenen nun gegenüber, die etwa ihren verwerflichen Schrittmit manchem, ihnen im Judcntluime nicht zusagenden Gesetze zu bemänteln suchten, sah sich R. veranlasst, seinen Standpunkt zu bezeichnen, der noch innerhalb des Judenthums Platz findet, ohne dem entwürdigenden Spiele mit Ehre und Wahrheit in die Arme zu treiben. Mehr sind die Entgegnungen hervorzuheben, die Riesser״s Schrift erfuhr. Wir machen unter diesen die des Heidelberger Professors Paulus namhaft. Paulus,, zu den rationalistischen Theologen zählend, die, weil sie vom Christenthume nichts hielten, dem Judenthume Todfeinde waren, und nicht weniger den Juden selbst, gegen die sie freilich die Volksmenge nicht mehr aufwiegeln koimten, an Gehässigkeit jedoch kaum den Mönchen des Mittelalters nachstanden. Die Flachheit und Verschwommenheit hat auch ihren Fanatismus; dass der Jude sich nicht das A. T. wegescamotiren liess, hatte den Zorn dieser heiligen Männer, wie Paulus in Heidelberg,, Röhr in Gotha, Winer in Leipzig u. A. in hohem Grade rege gemacht‘״‘). Diese Sorte Aufklärung stand nicht an, mit dem niedrigsten Pöbelwahn in Verbindung zu treten und die verwerf- *) Die Katholiken )lassen den Juden, weil er zu wenig glaubt, die aufgeklärten Protestanten weil er glaubt, bemerkte einst der Unterzeichnete einem rationalistischen Theologen.