Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Dr. Gabriel Riesser
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829290-2829297-2859695--07763-2859734- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1)1% Gabriel Riesser. 221 müde, ui« es besser zu haben, sich dem herrschenden Glauben hingeben werde — das erscheint gottlob Jedem, der die getm’Uhliehe Macht, die dem jüdischem Leben in allen seinen mehr oder minder aufgeklärten Formen eigen ist, einig er!nassen beobachtet hat, als eine absolute Unmöglichkeit. Ich sage gottlob, und ich sage es nicht aus irgend einem Vorurtheile lur meine Rehgion, sondern ich sage es, weil nach meiner festen innigsten Ueberzeugung ein solches all maliges Ilingebcn in Masse nur die Folge einer tiefen, entsetzlichen Demoralisation sein könnte, vor deren Bilde mir schaudert, eines Zustandes sittlicher Verderbtbeit, die nicht nur Wahrheit und Glaube und Gottesfurcht, 80ndern auch in Tausenden von Fällen die heiligsten Gefühle der Pietät, der Dankbarkeit, der Kindesliebe mit Füssen treten, und die ganze Masse verödeter, gottverlassener Herzen dem 'einen allverschlingendun Teufel des Figcrmutzes als eine gewaltige Beute überlassen müsste." R. wendet sieh nun nach einein anderen, verwandten Punkte. ״Es haben In den letzten Deceninen hie und da Eltern, die selbst nicht geneigt waren, den Glauben zu ändern, ihren Kindern dadurch auf eine unschuldige Weise die Vortheile der herrschenden Religion zu erwerben geglaubt, dass sie sic vor dem erwachten Bewusstsein oder der erlangten Selbstständigkeit die Weihe derselben empfangen liessea. Es bedarf zuvörderstkaum der Erwähnung, dass nur der höchste Grad von Indifferenz gegen alle positive Religion jene Verfahrungsweisc möglich macht. Wenn man den positiven Religionen nur irgend einige, wenn auch noch so geringe Bcdeutung zugcstchet, so muss man sie in ihrem Verhältnisse zum Familienleben finden, So lange noch die ernstesten Momente dieses Lebens, die die Familie begründen, die sie besiegeln und auf lösen, so lange noch Ehe, Geburt und Tod durch Acte der positiven Religion bezeichnet und ge weihet werden, so lauge möchte das aus jenem Verfahren hervorgehende Verlniitniss nur Wenigen, in denen noch der leiseste Funke religiösen Geföhles glimmt, angemessen und naturgemäss erscheinen, — Und stellen wir uns auf den Standpunkt des reinsten Deismus. Wenn Ihr Euere Kinder in dem Glauben, welcher gerade der hen*- sehende ist, erziehen lasset, so müsset Ihr sie zu dem Priester schicken, der berufen ist, sie in den Lehren des öffentlichen Glaubens zu unterweisen. Und wie nun, wenn der Priester